Mamma Mia – Here we go again – Sommer ohne Donna

Regie: Ol Parker
Darsteller: Cher, Pierce Brosan,…
Land: USA
Kinostart: 19.07.2018

Mamma Mia, here we go again. Der Titel ist mehr als ein Motto. Er ist ein Versprechen, welches nun nach 10 Jahren endlich eingelöst wird. So ist es eben bei Filmen mit vielen vielen Superstars. Hat sich das Warten gelohnt? Ist es nur eine Wiederholung des ersten fulminanten Films oder eher eine Steigerung. Die Wahrheit liegt definitiv dazwischen.

Gleich zu Anfang steht der Schock, dass Donna gestorben ist. Dies bedauern sowohl Ihre Familie, Ihre Freunde und auch der Kinobesucher. Sie hinterlässt im Leben der Anderen und auch im Film selbst ein Vakuum, welches nur schwer zu füllen ist. So ist der Film eher eine Hommage an Donna und an die Schauspielkunst von Meryl Streep. Diese wird auch durch die wenigen Szenen schmerzlich klar in denen Sie immer wieder auftaucht. Nur langsam erholt sich der Film und auch die Zuschauer von dem Schock des Verlustes.

(L to R) Young Rosie (ALEXA DAVIES), Young Donna (LILY JAMES) and Young Tanya (JESSICA KEENAN WYNN) in „Mamma Mia! Here We Go Again.“ Ten years after „Mamma Mia! The Movie,“ you are invited to return to the magical Greek island of Kalokairi in an all-new original musical based on the songs of ABBA.

Im letzten Drittel wird dann aber umso deutlicher ein wahres Feuerwerk gestartet, dass mit einem fulminanten und unvergesslichem Finale aufwartet. Wahre Inspiration, Ausstrahlung und Vivre kommen in Szenen, bei denen man auch noch rückblickend einen freudigen Schauer bekommt. Das ist wahres Entertainment, durch welches die Songs von ABBA sogar noch gesteigert werden. Wer das nicht glauben kann für den ist „Mamma Mia 2, here we go again“ ein Muss. Für alle anderen ein zum Schluss doch noch äußerst unterhaltsamer Film, der den länglichen Mittelteil schnell vergessen lässt.

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The shape of water – Diskrimentierung bekämpfen

Regie: Guillermo del Toro
Darsteller: Sally Hawkins, Michael Shannon, Richard Jenkins
Land: USA
Kinostart: 15.02.2018

Wasser nimmt die Form aller Gefäße an, in denen es enthalten ist – und obwohl Wasser so sanft ist, ist es zugleich die machtvollste und wandelbarste Kraft des Universums. Und genauso verhält es sich mit der Liebe, nicht wahr? Egal in welche Form wir Liebe hineingießen – sie wird zu dieser Form, sei es ein Mann, eine Frau, oder eine Kreatur“ Guillermo del Toro

 

In einem geheimen Regierungslaboratorium erblüht, mitten im Kalten Krieg, ein visuell berauschendes und emotional ergreifendes Wunderwerk der Fantasie. Meistererzähler Guillermo del Toro zaubert mit SHAPE OF WATER – DAS FLÜSTERN DES WASSERS ein betörendes Filmkunstwerk auf die Leinwand, in dem sich das Pathos und die Spannung eines traditionellen Monsterfilms mit einem verwunschenen film noir vereinen – und sich eine unvergleichliche Liebesgeschichte entwickelt, in der wir mit unseren geheimsten Fantasien, verdrängten Begierden und auch Ungeheuerlichkeiten konfrontiert werden.

Del Toro lässt seine Geschichte tief unter Wasser beginnen. Von dort entwickelt sie sich zu einem atemberaubenden Tauchgang in die Welt der sechziger Jahre: voller Dinge, die wir wiedererkennen – Macht, Wut, Intoleranz, und auch Einsamkeit, Entschlossenheit und plötzliche ansteckende Gemeinsamkeiten –, aber auch mit einer so außergewöhnlichen Kreatur, wie wir sie noch nie gesehen haben. Ein unerklärliches biologisches „Asset“ der US-Regierung, eine stumme Putzfrau, die sich in diese Kreatur verliebt, ihre beiden besten Freunde, Sowjetspione und ein wagemutiger Raub – all das verbindet sich zu einer einzigartigen, alle Grenzen überwindenden Liebesgeschichte.

Das geheimnisumwitterte amphibische Wesen wurde nicht nur aus den dunkelsten Tiefen des Wassers emporgezerrt, sondern scheint auch die grundlegenden adaptiven Fähigkeiten von Wasser zu besitzen, indem es die psychischen Konturen jedes Menschen annimmt, dem es begegnet – und sowohl Aggression wie grenzenlose Liebe widerspiegeln kann.

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Wunder – Vermutlich der wunderbarste Film in diesem Jahr

Regie: Stephen Chbosky
Darsteller: Jacob Trembley, Owen Wilson, Izabela Vidovic, Julia Roberts
Land: USA/
Kinostart: 25.01.2018

Wie ist es wohl, wenn man ein Gesicht hat, dass durch eine Krankheit deformiert ist und man versucht ein ganz normales Leben zu leben. Schwer ist hier wohl untertrieben. So geht es Augie, der nun zum ersten Mal in die Schule kommt und hier setzt der Film „Wunder“ an.

Mit gemischten Gefühlen: Auggie (Jacob Tremblay) an seine neuen SchuleAber glücklicherweise bleibt er hier nicht stehen und zeigt nicht nur das Leben des „armen“ Jungen.  Erstens ist Augie nicht nur arm, sondern hat auch viel zu geben und bekommt alsbald auch viel zurück. Aber noch spannender und bewegender ist das Umfeld des frischen Schülers. Wie geht es seiner Familie damit? Wie Freunden? Wie den Mitschülern. Alle diese Geschichten werden erzählt und bilden eine dicht Beschreibung der Welt aus der Sicht eines Jungen, der gern immer einen Astronautenhelm tragen würde.

Auggie (Jacob Tremblay) liebt seinen Astronautenhelm

Der gesamte Cast ist hierbei wie aus einem Guss. Die Figuren sind authentisch und haben tiefe Beziehungen zueinander. Es webt sich ein Beziehungsgeflecht, das manchmal schwer und öfter auch reich ist. Das ist spannend. Das ist ergreifend. Das ist das eigentliche Wunder.

Die Pullmans feiern Weihnachten: Nate (Owen Wilson), Isabel (Julia Roberts), Auggie (Jacob Tremblay), Via (Izabela Vidovic) und Vias Schulfreundin Miranda (Danielle Rose Russell).

Am Ende wünscht man sich selbst einige Zeit mit Augie und seinem Umfeld verbringen zu dürfen so nah ist einem diese Crew ans Herz gewachsen.

Auggie (Jacob Tremblay) fällt seiner Mutter Isabel Pullman (Julia Roberts) nach einer Klassenfahrt in die Arme
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The greatest Showman – Ein Hoch für Akzeptanz

Regie: Michael Gracey
Darsteller: Hugh Jackman, Zac Efron, Michelle Williams, Zendaya
Land: Australien
Kinostart: 04.01.2018

Treten Sie näher, treten Sie heran! Lernen Sie den Mann kennen, der bewiesen hat, dass das Leben selbst die größte aller Shows sein kann. Inspiriert von den Taten des legendären P.T. Barnum, seines Zeichens „Erfinder” der modernen Popkultur, wird hier die Story eines Mannes aufbereitet, der es von bitterster Armut zu enormem Reichtum gebracht hat. Der freche Träumer hat vorgeführt, dass es für Jedermann möglich ist, ins Rampenlicht zu treten, dass in Jedermann eine Geschichte steckt, die es spektakulär zu erzählen lohnt.

Wenn man sich heute an Phineas Taylor Barnum erinnert, denkt man zu allererst an den nach ihm benannten Zirkus mit den drei Arenen. Aber der Mann ist viel mehr als nur sein berühmter Zirkus, eine Art von Zirkus, die es heute nicht mehr gibt. Längst werden in der Manege keine bedrohten Tierarten mehr vorgeführt oder menschliche Kuriositäten ausgestellt, heutzutage geht es primär um Athletik und Kreativität. Barnum war ein früher Self-Made-Millionär, der Erfinder der Massenunterhaltung, der zu Reichtum kam, indem er die Leute zum Träumen brachte.

Er wurde in der Anonymität geboren, doch als er starb, kannte jeder seinen Namen. In ihrem Nachruf auf P.T. Barnum bezeichnete ihn die Washington Post 1891 als den „bekanntesten Amerikaner, der je gelebt hat.” Später wurde Barnum der legendäre Ausspruch „jede Minute wird ein Trottel geboren” in den Mund gelegt. Dies hat er jedoch nie gesagt, verbrieft ist aber sein Satz „Was auch immer du tust, tu es mit aller Macht”. Und genau das hat Barnum in seinen Tagen perfekt umzusetzen verstanden – und die Herausforderungen der modernen, sich verändernden Zeiten unerschrocken angenommen.

All das wird in „The greatest Showman“ perfekt umgesetzt. Wer von LA LA LAND enttäuscht war, der wird nun in diesem Film wieder mit dem Genre des Musikkinos versöhnt. Alles ist stimmig, wichtig und hervorragend getaktet. Man ist begeistert, enttäuscht, fasziniert und bestürzt von einem zum anderen Augenblick und lebt den Traum von Mr. Barnum. So muss Musikkino sein.

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Voll Verschleiert – Gefährlicher Humor?

Regie: Sou Abadi
Darsteller: Félix Moati, Camélia Jordana, William Lebghil, Anne Alvaro, Carl Malapa, Laurent Delbecque
Land: Frankreich
Kinostart: 28.12.2017

 

Die Regisseurin Sou Abadi hatte schon früher Filme im muslimischen Umfeld gemacht. Allerdings als Dokumentarfilmerin. Auf dieser Basis konnte sie nun diese herrliche Komödie entwickeln. Allerdings könnte diese nun noch gefährlicher werden, denn mit Humor im muslimischen Umfeld ist es ja so eine Sache.

Sou Abadi sagt dazu: Ich nahm an, dass es nach meinem ersten Dokumentarfilm, der ziemlich kompliziert war, weil er im Cinema-Verité-Stil in Teheran entstand, leicht sein würde, weitere Dokus drehen zu dürfen. Aber das war ein Trugschluss. Anschließend
hoffte ich lange darauf, für ein Projekt, das mir sehr am Herzen lag, grünes Licht zu bekommen. Ich wollte einen Film
über einen früheren israelischen Spion drehen, der für die Sowjets tätig war. Aber mein damaliger Produzent konnte
kein Geld dafür auftreiben mit der Begründung, dass meine Herkunft – ich bin im Iran geboren – mich nicht gerade
legitimierte, so ein israelisches Thema zu bearbeiten. Nach fünf Jahren habe ich dann aufgegeben und, um nicht in
Depressionen zu versinken, mit der Arbeit an dieser Geschichte begonnen, die ich schon länger im Kopf hatte. Allerdings
war ich sehr skeptisch, da ich vorher noch nie ein fiktionales Drehbuch geschrieben hatte und wusste, dass
eine Komödie noch viel schwieriger zu schreiben ist als ein Drama. Aber die Arbeit an dem Drehbuch war ein einziges
Vergnügen. Ich war überrascht, wie mühelos sich die Story entwickelte. Das hing vermutlich mit einem Legitimationsgefühl
zusammen: In der Geschichte stecken durchaus persönliche Erfahrungen.

Ich habe einen Teil meines Lebens in der Islamischen Republik Iran verbracht. Streng religiöse Erziehung, eine vorgeschriebene
Kleiderordnung und die Sittenpolizei haben sich unauslöschlich in die Erinnerungen an meine Teenagerzeit
eingebrannt.
Als ich in den Iran zurückkehrte, um ’S.O.S. Tehran’ zu drehen, musste ich einen Tschador tragen, während ich bei verschiedenen
Ministerien Genehmigungen einholte: Ich stolperte und verletzte mich mehr als einmal, weil sich meine
Füße in dem bodenlangen Stoff verfingen und verbrühte mich mit heißem Tee bei dem Versuch, ihn zu trinken, während
ich den Umhang trug. Einige von Armands Unfällen im Film sind also von persönlichen Erfahrungen inspiriert.

Vor ein paar Jahren hörte ich ein Interview mit Hojatoleslam Rafsanjani, einem der Machthaber der Islamischen
Republik Iran. Darin erzählte er, wie er sich vor der Revolution mit einem Tschador als gläubige Frau verkleidete, um
der Polizei des Schahs zu entkommen. Darüber hinaus flüchtete ein ehemaliger iranischer Präsident, der heute in
Frankreich im Exil lebt, 1982 ebenfalls als verschleierte Frau verkleidet. Cross-Dressing, um einer Gefahr zu entgehen
und sein Leben zu retten, das gefiel mir. Denn Billy Wilders ’Manche mögen’s heiß’ ist eine meiner Lieblingskomödien.

Außerdem hatte ich beim Schreiben der Geschichte ‘Cyrano von Bergerac’ im Hinterkopf: Armand, voll verschleiert
und für eine Frau gehalten, nutzt seine Situation, um Mahmoud bestimmte Wahrheiten zu vermitteln. Genau wie Cyrano,
der vorgibt, Christian zu sein um dadurch Roxanes Herz zu berühren. Während ich das Drehbuch schrieb, dachte
ich permanent über diese beiden Aspekte der Story nach, den komödiantischen und den ernsthafteren.

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Das Leuchten der Erinnerung – Emotionale harte Arbeit für einen bedeutenden Endpunkt

Regie: Paolo Virzì
Darsteller: Helen Mirren, Donald Sutherland, Christian McKay, Janel Moloney, Dana Ivey
Land: USA/Italien
Kinostart: 04.01.2018

 

„Das Leuchten der Erinnerung“ ist kein Blockbuster-Film im klassischem Sinne. Er ist Arbeit für den Zuschauer, der diese Reise mit allen Tiefen und Höhen miterlebt. Dabei wird viel geboten, aber keine Ablenkung. Die Ursache ist das authentische Können der Schauspieler und der wertbetonte Umgang des Regisseurs Paolo Virzi mit seinen Figuren. Er hat nicht nur die Romanvorlage unter Vielen herausgesucht, sondern auch die Figuren so verändert, dass der Film frei von Kitsch und herkömmlichen Ansätzen ist. Lassen wir ihn kurz selbst zu Wort kommen um dies aus seiner Sicht zu zeigen:

Die Arbeit mit einer grandiosen Schauspielerin wie Helen Mirren und einer echten Legende wie Donald Sutherland war nicht nur elektrisierend, sie war auch äußerst lehrreich. Es faszinierte mich, sie zusammen spielen zu sehen – er ist würdevoll, aber gleichzeitig amüsant und immer für eine Überraschung gut; sie ist schlagfertig, weise, witzig, und zeigt dann plötzlich Wut oder Schmerz. Oft fiel es mir tatsächlich schwer, am Ende einer Szene „cut!“ zu rufen, so sehr genoss ich es, mit zwei Schauspielern zu arbeiten, die mich begeistern und bewegen. Diese beiden waren vielleicht der beste Grund, nach Amerika zu fahren, um dort einen Film zu drehen – wenigstens einmal in meiner Geschichte als italienischer Regisseur, oder besser, als Regisseur aus Livorno.

Dieses Zitat bringt mich auch gleich zum Kern des Films. Der Verbindung von Helen Mirren und Donald Sutherland. Sie sind zu 90% im Film vertreten und der geneigte Zuschauer genießt die Zeit mit Ihnen. Vor allem, weil er fühlt, dass sie sowohl in der Geschichte der Figuren im Film, als auch im Schaffen der Schauspieler selbst endlich ist. Hellen Mirren wurde am Set „The Queen“ genannt. Das ist einerseits der Respekt vor einer großen Schauspielerin und benennt andererseits ihren theatergeprägten Shakespeare-Ansatz. Dazu hatte Hellen Mirren die Queen selbst auch schon in anderen Filmen perfekt dargestellt.

Ihr Partner Donald Sutherland steht Ihr hier in menschlichen Werten nicht nach, wählt aber den Ansatz des Method Acting. Er war auch nach den Drehs noch weiterhin die Filmfigur und bestand sogar darauf das Wohnmobil von einem Set zum anderen zu fahren. Während des Films kann man sich gegen einen Eindruck nicht erwehren, der aber aus einer ganz anderen Richtung kommt. Donald Sutherland hat in etlichen Szenen Ähnlichkeit zur Dieter Hallervorden, der ja auch schon das gleiche Thema dargestellt hat. Dies soll nun nicht heißen, dass beide zu vergleichen sind, aber Ihre grundsätzlichen Ansätze sind vergleichbar. Beide leben die Figur von Innen und identifizieren sich mit ihr.

Nachdem der Zuschauer die lange Reise, welche sowohl emotional als auch physikalisch weit ist, beendet hat, wartet auf ihn ein Ende, welches das Gesehene noch verstärkt und mit dem man nicht rechnen kann. Für Blockbuster-Publikum ist der Film zwar ein sicherer Zeitverlust, aber für alle Anderen ist es eine Möglichkeit viel fürs eigene Leben mitzunehmen.

Wertungen für „Das Leuchten der Erinnerung“

  • 0 von 10 hotcritics-chillis (Blockbuster-Publikum)
  • 10 von 10 hotcritics-chillis (ArtHouse-Publikum)

Autor: Tom Trentinaglia von Telvenburg

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Mord im Orientexpress – Verletzliche Arroganz

Regie: Kenneth Branagh
Darsteller: Kenneth Branagh, Olivia Colman, Penelope Cruz, Willem Dafoe, Johnny Depp, Judi Dench, Michelle Pfeiffer, Daisy Ridley
Land: GB
Kinostart: 09.11.2017

Die Frage liegt auf der Hand: Wieso soll man einen so bekannten Klassiker neu in Szene setzen? Ist es nur die Frage nach einem sicheren Kassenerfolg? Wieso muss man alle Rollen hochkarätig besetzen? Diese und andere Fragen gehen einem durch den Kopf, wenn man sich diesen Film ansehen will. Die Antwort erkennt man am Ende des Films, wenn sich die Erkenntnis durchsetzt, dass es – trotz der gleichen Geschichte doch ein ganz anderer Film wurde.

Wobei es am Ende schwer ist zu sagen, was wirklich anders ist. Einerseits alles und andererseits nur wenig. Aber genau das genügt um den Zuschauer von Anfang bis Ende zu fesseln. Zugegeben, es hilft, wenn man sich nach so vielen Jahren nicht mehr ganz an die Originalgeschichte erinnert, aber schon nach wenigen Minuten sucht man gar nicht mehr nach ihr. Dabei helfen auch die fantastischen filmischen Elemente, welche vor allem in den Landschaftsaufnahmen atemberaubend sind. So fährt der Kinobesucher selbst im Orientexpress und ist als stummer Teilnehmer im Zug dabei.

Jedes Detail der langen Fahrt bleibt im Kopf und macht Lust auf das Abenteuer des Orientexpresses. Wie mag wohl eine Fahrt damals gewesen sein und wieviele Schicksale wurden hier transportiert. Beim Film „Mord im Orientexpress“ sind es etliche und man kann darf hier keinen Schauspieler hervorheben. Alle haben Ihre Starallüren zu Hause gelassen und dienen nur der perfekten Umsetzung eines Klassikers. Das ist äußerst sehenswert.

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GRIESSNOCKERLAFFÄRE – Schwer zu toppen

Regie: Ed Herzog
Darsteller: Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Enzi Fuchs, Eisi Gulp,
Land: Bayern
Kinostart: 03.08.2017

GRIESSNOCKERLAFFÄRE ist jetzt der vierte Teil der Krimiverfilmungen von Elisabeth Falk und widerspricht immer noch allen Serienmustern. Zugegeben, so explosiv wie in „Schweinskopf – Al Dente“ geht es dieses mal nicht zu, aber umso beachtenswerter sind im aktuellen Teil die traurigen Töne. Der Eberhofer, sein Vater, seine Oma und sein Hund wohnen wirklich auf diesem Hof. Ihre Existenz, ihr Charakter sind damit verbunden. Sie haben keinen anderen Ort nach dem Film. Der Film endet, aber die Figuren leben weiter, so real sind sie und so authentisch werden sie gespielt.

Das ist großes ehrliches Schauspiel wie es damals Therese Giehse auf die Bühnen und auch in die Münchner Geschichten gebracht hat. Auch sie wohnte wirklich in dieser Wohnung in München und spielte es nicht nur. Zumindest war es so für den Zuschauer. In vielen anderen aktuellen Filmen ist das nicht der Fall und deshalb sind diese oft leer. Nicht aber die GRIESSNOCKERLAFFÄRE, die unter der Feder von Stefan Betz zu einem Wechselbad von skurrilem Humor und traurigem Alltag wird.

Das Ganze ist eine derart gelungene Mischung, dass man sich nur schwer aus dieser Welt verabschieden will. Deshalb hat Ed Herzog auch noch ein Feuerwerk am Schluß abgebrannt, dass uns mit einem fröhlichem „Ahhhh“ zurück lässt. Wir wippen aus dem Kinosaal und sehen unsere Welt mit viel fröhlicheren Augen.

 

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Born to be Blue – geht unter die Haut

Regie: Robert Budreau
Darsteller: Ethan Hawk, Carmen Ejogo, Kedar Browhn
Land: Kanada/UK
Kinostart: 08.06.2017

BORN TO BE BLUE erzählt von einem Wendepunkt im Leben des legendären Jazz-Trompeters Chet Baker (Ethan Hawke). Nach einem kometenhaften Aufstieg in den 1950er Jahren, gefeiert als der „James Dean of Jazz“ und „King of Cool“, war Baker schon zehn Jahre später am Ende. Zerrissen von seinen inneren Dämonen und den Exzessen des Musikerlebens, begegnet er einer Frau (Carmen Ejogo), mit der wieder alles möglich scheint. Angefeuert von seiner neuen Leidenschaft und ihrem bedingungslosen Glauben an ihn, kämpft sich Baker wieder zurück und erschafft so einige der unvergesslichsten Aufnahmen seiner Karriere.

BornToBeBlue©AlamodeFilm#1
Soweit das Setting. Mitreißend ist allerdings etwas ganz anderes. Ethan Hawk spielt nicht Chet Baker. Er ist Chet Baker. Er singt sämtliche Lieder selbst und quält sich durch sein Leben wie Chet Baker selbst. Immer am Rande des Absturzes, immer tragisch, immer bedeutend und immer lässig. Er kämpft sich wieder zurück ins Leben mit einer tollen Frau an seiner Seite. Aber der Zuschauer fühlt das Kartenhaus und hofft inständig, dass Chet es nicht wieder zerstört.

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Das wird immer enger, immer dichter, bis man es zum Ende nur noch schwer ertragen kann und hofft es nimmt ein gutes Ende. Wie auch immer der Film endet, er bringt die Musik von Chet wieder zum Leben und schafft neue Chet Baker – Ethan Hawk Songs. Somit ist der Soundtrack nach dem Film wohl kaum zu vermeiden.

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Magic City – Street Art zum Erleben

Die Magic City öffnet am 13. April Ihre Graffiti-Gates. Zum größten Teil exklusiv für die Ausstellung erstellt wurde hier Street Art zum Erleben und Begreifen gemacht. Größen wie BANKSY sind zwar nur als Leihgaben ausgestellt um das Bild abzurunden, aber das mindert nicht die Qualität der Ausstellung.

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Mit allen Mitteln und Wahrnehmungsreizen wird gearbeitet: Perspektive, Sound, Licht, Klappen, Wippen, Film, Augmented Reality … Das alles bewegt, inspiriert und führt zu einem Erleben wie es seinesgleichen sucht. Der Audioguide dient auch als Gadget für die Herstellung der Augmented Reality und ist perfekt umgesetzt. Das Handset erkennt die Bilder und animiert sie. Das ist aber nur einer der vielen Überraschungen.

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An den Wänden laufen auch kleine Allesi-Männchen durch die Gegend und bergen ein Geheimnis. Man weiß gar nicht wo man anfangen soll und schon ist man mitten drin am Spielen, Ausprobieren, Staunen.

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Neben dieser Vielfalt ist allerdings ein Punkt fast gar nicht zu finden. Streetart wird an vielen Stellen als Sachbeschädigung gesehen und drängt die Künstler an den Rand der Legalität. Einer der Künstler war auch schon 3 Wochen in Stadelheim eingesperrt und ist eigentlich lebenslänglich aus Deutschland verbannt. Aber das ist ein Thema für eine andere Ausstellung.

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