Voll Verschleiert – Gefährlicher Humor?

Regie: Sou Abadi
Darsteller: Félix Moati, Camélia Jordana, William Lebghil, Anne Alvaro, Carl Malapa, Laurent Delbecque
Land: Frankreich
Kinostart: 28.12.2017

 

Die Regisseurin Sou Abadi hatte schon früher Filme im muslimischen Umfeld gemacht. Allerdings als Dokumentarfilmerin. Auf dieser Basis konnte sie nun diese herrliche Komödie entwickeln. Allerdings könnte diese nun noch gefährlicher werden, denn mit Humor im muslimischen Umfeld ist es ja so eine Sache.

Sou Abadi sagt dazu: Ich nahm an, dass es nach meinem ersten Dokumentarfilm, der ziemlich kompliziert war, weil er im Cinema-Verité-Stil in Teheran entstand, leicht sein würde, weitere Dokus drehen zu dürfen. Aber das war ein Trugschluss. Anschließend
hoffte ich lange darauf, für ein Projekt, das mir sehr am Herzen lag, grünes Licht zu bekommen. Ich wollte einen Film
über einen früheren israelischen Spion drehen, der für die Sowjets tätig war. Aber mein damaliger Produzent konnte
kein Geld dafür auftreiben mit der Begründung, dass meine Herkunft – ich bin im Iran geboren – mich nicht gerade
legitimierte, so ein israelisches Thema zu bearbeiten. Nach fünf Jahren habe ich dann aufgegeben und, um nicht in
Depressionen zu versinken, mit der Arbeit an dieser Geschichte begonnen, die ich schon länger im Kopf hatte. Allerdings
war ich sehr skeptisch, da ich vorher noch nie ein fiktionales Drehbuch geschrieben hatte und wusste, dass
eine Komödie noch viel schwieriger zu schreiben ist als ein Drama. Aber die Arbeit an dem Drehbuch war ein einziges
Vergnügen. Ich war überrascht, wie mühelos sich die Story entwickelte. Das hing vermutlich mit einem Legitimationsgefühl
zusammen: In der Geschichte stecken durchaus persönliche Erfahrungen.

Ich habe einen Teil meines Lebens in der Islamischen Republik Iran verbracht. Streng religiöse Erziehung, eine vorgeschriebene
Kleiderordnung und die Sittenpolizei haben sich unauslöschlich in die Erinnerungen an meine Teenagerzeit
eingebrannt.
Als ich in den Iran zurückkehrte, um ’S.O.S. Tehran’ zu drehen, musste ich einen Tschador tragen, während ich bei verschiedenen
Ministerien Genehmigungen einholte: Ich stolperte und verletzte mich mehr als einmal, weil sich meine
Füße in dem bodenlangen Stoff verfingen und verbrühte mich mit heißem Tee bei dem Versuch, ihn zu trinken, während
ich den Umhang trug. Einige von Armands Unfällen im Film sind also von persönlichen Erfahrungen inspiriert.

Vor ein paar Jahren hörte ich ein Interview mit Hojatoleslam Rafsanjani, einem der Machthaber der Islamischen
Republik Iran. Darin erzählte er, wie er sich vor der Revolution mit einem Tschador als gläubige Frau verkleidete, um
der Polizei des Schahs zu entkommen. Darüber hinaus flüchtete ein ehemaliger iranischer Präsident, der heute in
Frankreich im Exil lebt, 1982 ebenfalls als verschleierte Frau verkleidet. Cross-Dressing, um einer Gefahr zu entgehen
und sein Leben zu retten, das gefiel mir. Denn Billy Wilders ’Manche mögen’s heiß’ ist eine meiner Lieblingskomödien.

Außerdem hatte ich beim Schreiben der Geschichte ‘Cyrano von Bergerac’ im Hinterkopf: Armand, voll verschleiert
und für eine Frau gehalten, nutzt seine Situation, um Mahmoud bestimmte Wahrheiten zu vermitteln. Genau wie Cyrano,
der vorgibt, Christian zu sein um dadurch Roxanes Herz zu berühren. Während ich das Drehbuch schrieb, dachte
ich permanent über diese beiden Aspekte der Story nach, den komödiantischen und den ernsthafteren.

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Das Leuchten der Erinnerung – Emotionale harte Arbeit für einen bedeutenden Endpunkt

Regie: Paolo Virzì
Darsteller: Helen Mirren, Donald Sutherland, Christian McKay, Janel Moloney, Dana Ivey
Land: USA/Italien
Kinostart: 04.01.2018

 

„Das Leuchten der Erinnerung“ ist kein Blockbuster-Film im klassischem Sinne. Er ist Arbeit für den Zuschauer, der diese Reise mit allen Tiefen und Höhen miterlebt. Dabei wird viel geboten, aber keine Ablenkung. Die Ursache ist das authentische Können der Schauspieler und der wertbetonte Umgang des Regisseurs Paolo Virzi mit seinen Figuren. Er hat nicht nur die Romanvorlage unter Vielen herausgesucht, sondern auch die Figuren so verändert, dass der Film frei von Kitsch und herkömmlichen Ansätzen ist. Lassen wir ihn kurz selbst zu Wort kommen um dies aus seiner Sicht zu zeigen:

Die Arbeit mit einer grandiosen Schauspielerin wie Helen Mirren und einer echten Legende wie Donald Sutherland war nicht nur elektrisierend, sie war auch äußerst lehrreich. Es faszinierte mich, sie zusammen spielen zu sehen – er ist würdevoll, aber gleichzeitig amüsant und immer für eine Überraschung gut; sie ist schlagfertig, weise, witzig, und zeigt dann plötzlich Wut oder Schmerz. Oft fiel es mir tatsächlich schwer, am Ende einer Szene „cut!“ zu rufen, so sehr genoss ich es, mit zwei Schauspielern zu arbeiten, die mich begeistern und bewegen. Diese beiden waren vielleicht der beste Grund, nach Amerika zu fahren, um dort einen Film zu drehen – wenigstens einmal in meiner Geschichte als italienischer Regisseur, oder besser, als Regisseur aus Livorno.

Dieses Zitat bringt mich auch gleich zum Kern des Films. Der Verbindung von Helen Mirren und Donald Sutherland. Sie sind zu 90% im Film vertreten und der geneigte Zuschauer genießt die Zeit mit Ihnen. Vor allem, weil er fühlt, dass sie sowohl in der Geschichte der Figuren im Film, als auch im Schaffen der Schauspieler selbst endlich ist. Hellen Mirren wurde am Set „The Queen“ genannt. Das ist einerseits der Respekt vor einer großen Schauspielerin und benennt andererseits ihren theatergeprägten Shakespeare-Ansatz. Dazu hatte Hellen Mirren die Queen selbst auch schon in anderen Filmen perfekt dargestellt.

Ihr Partner Donald Sutherland steht Ihr hier in menschlichen Werten nicht nach, wählt aber den Ansatz des Method Acting. Er war auch nach den Drehs noch weiterhin die Filmfigur und bestand sogar darauf das Wohnmobil von einem Set zum anderen zu fahren. Während des Films kann man sich gegen einen Eindruck nicht erwehren, der aber aus einer ganz anderen Richtung kommt. Donald Sutherland hat in etlichen Szenen Ähnlichkeit zur Dieter Hallervorden, der ja auch schon das gleiche Thema dargestellt hat. Dies soll nun nicht heißen, dass beide zu vergleichen sind, aber Ihre grundsätzlichen Ansätze sind vergleichbar. Beide leben die Figur von Innen und identifizieren sich mit ihr.

Nachdem der Zuschauer die lange Reise, welche sowohl emotional als auch physikalisch weit ist, beendet hat, wartet auf ihn ein Ende, welches das Gesehene noch verstärkt und mit dem man nicht rechnen kann. Für Blockbuster-Publikum ist der Film zwar ein sicherer Zeitverlust, aber für alle Anderen ist es eine Möglichkeit viel fürs eigene Leben mitzunehmen.

Wertungen für „Das Leuchten der Erinnerung“

  • 0 von 10 hotcritics-chillis (Blockbuster-Publikum)
  • 10 von 10 hotcritics-chillis (ArtHouse-Publikum)

Autor: Tom Trentinaglia von Telvenburg

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Mord im Orientexpress – Verletzliche Arroganz

Regie: Kenneth Branagh
Darsteller: Kenneth Branagh, Olivia Colman, Penelope Cruz, Willem Dafoe, Johnny Depp, Judi Dench, Michelle Pfeiffer, Daisy Ridley
Land: GB
Kinostart: 09.11.2017

Die Frage liegt auf der Hand: Wieso soll man einen so bekannten Klassiker neu in Szene setzen? Ist es nur die Frage nach einem sicheren Kassenerfolg? Wieso muss man alle Rollen hochkarätig besetzen? Diese und andere Fragen gehen einem durch den Kopf, wenn man sich diesen Film ansehen will. Die Antwort erkennt man am Ende des Films, wenn sich die Erkenntnis durchsetzt, dass es – trotz der gleichen Geschichte doch ein ganz anderer Film wurde.

Wobei es am Ende schwer ist zu sagen, was wirklich anders ist. Einerseits alles und andererseits nur wenig. Aber genau das genügt um den Zuschauer von Anfang bis Ende zu fesseln. Zugegeben, es hilft, wenn man sich nach so vielen Jahren nicht mehr ganz an die Originalgeschichte erinnert, aber schon nach wenigen Minuten sucht man gar nicht mehr nach ihr. Dabei helfen auch die fantastischen filmischen Elemente, welche vor allem in den Landschaftsaufnahmen atemberaubend sind. So fährt der Kinobesucher selbst im Orientexpress und ist als stummer Teilnehmer im Zug dabei.

Jedes Detail der langen Fahrt bleibt im Kopf und macht Lust auf das Abenteuer des Orientexpresses. Wie mag wohl eine Fahrt damals gewesen sein und wieviele Schicksale wurden hier transportiert. Beim Film „Mord im Orientexpress“ sind es etliche und man kann darf hier keinen Schauspieler hervorheben. Alle haben Ihre Starallüren zu Hause gelassen und dienen nur der perfekten Umsetzung eines Klassikers. Das ist äußerst sehenswert.

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GRIESSNOCKERLAFFÄRE – Schwer zu toppen

Regie: Ed Herzog
Darsteller: Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Enzi Fuchs, Eisi Gulp,
Land: Bayern
Kinostart: 03.08.2017

GRIESSNOCKERLAFFÄRE ist jetzt der vierte Teil der Krimiverfilmungen von Elisabeth Falk und widerspricht immer noch allen Serienmustern. Zugegeben, so explosiv wie in „Schweinskopf – Al Dente“ geht es dieses mal nicht zu, aber umso beachtenswerter sind im aktuellen Teil die traurigen Töne. Der Eberhofer, sein Vater, seine Oma und sein Hund wohnen wirklich auf diesem Hof. Ihre Existenz, ihr Charakter sind damit verbunden. Sie haben keinen anderen Ort nach dem Film. Der Film endet, aber die Figuren leben weiter, so real sind sie und so authentisch werden sie gespielt.

Das ist großes ehrliches Schauspiel wie es damals Therese Giehse auf die Bühnen und auch in die Münchner Geschichten gebracht hat. Auch sie wohnte wirklich in dieser Wohnung in München und spielte es nicht nur. Zumindest war es so für den Zuschauer. In vielen anderen aktuellen Filmen ist das nicht der Fall und deshalb sind diese oft leer. Nicht aber die GRIESSNOCKERLAFFÄRE, die unter der Feder von Stefan Betz zu einem Wechselbad von skurrilem Humor und traurigem Alltag wird.

Das Ganze ist eine derart gelungene Mischung, dass man sich nur schwer aus dieser Welt verabschieden will. Deshalb hat Ed Herzog auch noch ein Feuerwerk am Schluß abgebrannt, dass uns mit einem fröhlichem „Ahhhh“ zurück lässt. Wir wippen aus dem Kinosaal und sehen unsere Welt mit viel fröhlicheren Augen.

 

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Born to be Blue – geht unter die Haut

Regie: Robert Budreau
Darsteller: Ethan Hawk, Carmen Ejogo, Kedar Browhn
Land: Kanada/UK
Kinostart: 08.06.2017

BORN TO BE BLUE erzählt von einem Wendepunkt im Leben des legendären Jazz-Trompeters Chet Baker (Ethan Hawke). Nach einem kometenhaften Aufstieg in den 1950er Jahren, gefeiert als der „James Dean of Jazz“ und „King of Cool“, war Baker schon zehn Jahre später am Ende. Zerrissen von seinen inneren Dämonen und den Exzessen des Musikerlebens, begegnet er einer Frau (Carmen Ejogo), mit der wieder alles möglich scheint. Angefeuert von seiner neuen Leidenschaft und ihrem bedingungslosen Glauben an ihn, kämpft sich Baker wieder zurück und erschafft so einige der unvergesslichsten Aufnahmen seiner Karriere.

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Soweit das Setting. Mitreißend ist allerdings etwas ganz anderes. Ethan Hawk spielt nicht Chet Baker. Er ist Chet Baker. Er singt sämtliche Lieder selbst und quält sich durch sein Leben wie Chet Baker selbst. Immer am Rande des Absturzes, immer tragisch, immer bedeutend und immer lässig. Er kämpft sich wieder zurück ins Leben mit einer tollen Frau an seiner Seite. Aber der Zuschauer fühlt das Kartenhaus und hofft inständig, dass Chet es nicht wieder zerstört.

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Das wird immer enger, immer dichter, bis man es zum Ende nur noch schwer ertragen kann und hofft es nimmt ein gutes Ende. Wie auch immer der Film endet, er bringt die Musik von Chet wieder zum Leben und schafft neue Chet Baker – Ethan Hawk Songs. Somit ist der Soundtrack nach dem Film wohl kaum zu vermeiden.

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Magic City – Street Art zum Erleben

Die Magic City öffnet am 13. April Ihre Graffiti-Gates. Zum größten Teil exklusiv für die Ausstellung erstellt wurde hier Street Art zum Erleben und Begreifen gemacht. Größen wie BANKSY sind zwar nur als Leihgaben ausgestellt um das Bild abzurunden, aber das mindert nicht die Qualität der Ausstellung.

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Mit allen Mitteln und Wahrnehmungsreizen wird gearbeitet: Perspektive, Sound, Licht, Klappen, Wippen, Film, Augmented Reality … Das alles bewegt, inspiriert und führt zu einem Erleben wie es seinesgleichen sucht. Der Audioguide dient auch als Gadget für die Herstellung der Augmented Reality und ist perfekt umgesetzt. Das Handset erkennt die Bilder und animiert sie. Das ist aber nur einer der vielen Überraschungen.

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An den Wänden laufen auch kleine Allesi-Männchen durch die Gegend und bergen ein Geheimnis. Man weiß gar nicht wo man anfangen soll und schon ist man mitten drin am Spielen, Ausprobieren, Staunen.

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Neben dieser Vielfalt ist allerdings ein Punkt fast gar nicht zu finden. Streetart wird an vielen Stellen als Sachbeschädigung gesehen und drängt die Künstler an den Rand der Legalität. Einer der Künstler war auch schon 3 Wochen in Stadelheim eingesperrt und ist eigentlich lebenslänglich aus Deutschland verbannt. Aber das ist ein Thema für eine andere Ausstellung.

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Die versunkene Stadt Z – The Lost City Z

Den Entdeckern auf der Spur

Regie: James Gray
Darsteller: Charlie Hunnam, Robert Pattinson, Sienna Miller, Tom Holland
Land: GB
Kinostart: 30.03.2017

 

Wenn diese Geschichte nicht wahr wäre, dann würde man sie wohl kaum glauben. Col. Percival Fawcett hat bestimmt keinen klassischen Werdegang. Das er aber zuletzt als Entdecker Furore machte, hätte er sich wohl selbst kaum gedacht. Eines Tages kam ein Auftrag der Royal Geographic Society und katapultiert ihn nach Südamerika. Heutzutage wäre das eine normale Geschäftsreise, aber im frühen 20ten Jahrhundert, war das ein lebensbedrohendes Abenteuer, dass Fawcett berühmt machte.

Oftmals mehr Abenteuer als Forschungsreise: Percy Fawcett (Charlie Hunnam) weiß sich zu wehren
Oftmals mehr Abenteuer als Forschungsreise: Percy Fawcett (Charlie Hunnam) weiß sich zu wehren

Charlie Hunnam spielt den umtriebigen Colonel sehr beherrscht. Mit stoischer Beharrlichkeit arbeitet er sich vor und nur selten kommen die Vorkommnisse nah an ihn. Es ist die Suche, die ihn beglückt und nicht das Finden. So ist es schwer für den Kinobesucher einen direkten Kontakt zur Hauptperson von „Die versunkene Stadt Z“ aufzubauen. Man versteht den Forscher über die Begleiter auf seinem Lebensweg. Henry Costin – sehr präsent dargestellt von Robert Pattinson – zum Beispiel folgt ihm blind, bis er die Opfer nicht mehr bringen kann. Das ist sehr nachvollziehbar und fasst ringt man selbst um die Entscheidung Abenteuer oder Familie.

Immer an Fawcetts Seite: seine Gefährten Arthur Manley (Edward Ashley) und Henry Costin (Robert Pattinson)
Immer an Fawcetts Seite: seine Gefährten Arthur Manley (Edward Ashley) und Henry Costin (Robert Pattinson)

Die stärkste Person an seiner Seite ist allerdings seine Frau. Sienna Miller hat hier wohl die Rolle ihres Lebens gefunden, so intensiv stellt sie Nina Fawcett über mehrere Jahrzehnte dar. Ihr Ringen zwischen Liebe und Freiheit, zwischen Familie und Forschung und zwischen Glück und Sehnsucht beeindruckt. Wieviel kann ein Partner ertragen und wieviel muss ein Mann für die Familie opfern um seelisch zu überleben?

Steht voller Überzeugung hinter ihrem Mann: Nina Fawcett (Sienna Miller) mit dem erstgeborenen Sohn Brian (Daniel Huttlestone)
Steht voller Überzeugung hinter ihrem Mann: Nina Fawcett (Sienna Miller) mit dem erstgeborenen Sohn Brian (Daniel Huttlestone)

Diese Fragen werden im Film entschieden. Ob die Entscheidungen aber richtig oder noch vielmehr moralisch passend sind, muss der Zuschauer für sich selbst entscheiden. Freiraum dafür hat er und Inspiration auch. Besonders intensiv ist die Rede vor der  Royal Geographic Society. Hier begründet Col. Percival Fawcett die Existenz der Stadt Z, die erst viele Jahrzehnte später bestätigt wird. Wegweisend und tragisch wie der ganze Film.

Nach den ersten Expeditionen berichtet Percy Fawcett (Charlie Hunnam) der Royal Society von einer geheimnisvollen versunkenen Stadt mitten im Regenwald des Amazonas
Nach den ersten Expeditionen berichtet Percy Fawcett (Charlie Hunnam) der Royal Society von einer geheimnisvollen versunkenen Stadt mitten im Regenwald des Amazonas

 

 

 

 

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Logan – The Wolverine

Dieses Mal ein wahrer und ehrlicher Logan

Regie: James Mangold
Darsteller: Hugh Jackman, Patrick Stewart, Dafne Keen
Land: USA
Kinostart: 02.03.2017

Wieviele Wolverine-Verfilmungen haben wir schon gesehen? Rekordverdächtig viele, aber haben wir schon jemals den wahren Logan gesehen, so wie wir ihn aus den Comic-Arts kennen? Wohl nur Ahnungen, Szenen, Zitate, aber nie in vollem Ausmaß. Kann der finale LOGAN-Film hier eine Lösung bieten? JA ER KANN!

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Wie tief dieser Film geht merkt man erst im Nachhinein. Scheinbar hat man viele direkte und alltägliche Momente zwischen den Figuren gesehen. Man ist selber abgeschweift, hat sich an eigene, ähnliche Szenen erinnert und resümiert. Richtig eingelullt hat uns LOGAN, wobei er mit explodierenden und heftigen Aufwachszenen nicht gespart hat. So gehen wir aus dem Kino und hängen noch vielen Ideen nach. Aber wartet ab, wenn Ihr anderen von diesem Film erzählt. Da könnte es sein, dass Euch ein Gänsehaut oder Trauer erreicht, die der Film fein und geplant aufgebaut hat.

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LOGAN taumelt durch diesen Film vom ersten Moment. Schwache Füße steigen zu einem neuen Kampf aus dem Auto und können kaum den Körper, die Grausamkeiten und das Schicksal dieses Wesens tragen. Das ist kein strahlender Held mehr, kein oberflächlicher Schläger und definitiv kein Vorbild. Er ist äußerlich geschrumpft, aber innerlich reift hier eine Evolution, die ihresgleichen sucht und auf die wir im Kino so lange gewartet haben.

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Das schafft Wolverine aber nicht allein. Zwei Kinderaugen, die ihn immer wieder fixieren, da ihnen über lange Zeit die Sprache fehlt, fördern und fordern diese Entwicklung massiv und fordern ihn mehr heraus als alle anderen Waffen, Muskeln oder Maschinen. Wie groß die Leistung von Dafne Keen als das Kind von LOGAN ist, kann man schwer beschreiben. LOGAN wächst in diesem Film weiter über seine Kinofigur hinaus und erreicht den Comic-Helden endlich, aber Dafne Keen steht von Anfang an auf dieser hohen Ebene neben ihm. Es ist fast so, als müsse sich Wolverine an ihrem Vorbild entwickeln, bis er zum wahren LOGAN wird.

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Das ist aber nur die schwarz/weiß Sicht des Filmes. Viele Nebencharakter verstärken oder radikalisieren die Entwicklung von Wolverine. Es würde viel zu lange dauern um sie alle zu beschreiben, aber seit versichert, dass der inzwischen ja geadelte, Patrick Stewart, daran sicher nicht unbeteiligt ist. An dieser Stelle sollte man mit der Besprechung des Films enden und Euch in eine Erfahrung entlassen, die noch lange Nachwirken wird.

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Rogue One – A STAR WARS Story

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A Story worth to be told

 

Regie: Gareth Edwards
Darsteller: Felicity jones, Diego Luna, Ben Mendelsohn, Donnie Yen, Jiang Wen, Mads Mikkelsen, Alan Tudyk, Riz Ahmed, Forest Whitaker u.v.m.
Land: USA
Kinostart: 15.12.2016

 

Regisseur Gareth Edwards überzeugt mit „Rogue One – A Star Wars Story“ nicht nur, sondern präsentiert einen der besten, bisher produzierten, Star Wars Filme. Es ist der erste Spin Off Film des Franchises. Mit einem anderen Stil und dadurch auch bewusster Abgrenzung zur regulären Saga rund um die Familie Skywalker, zeigt er das beliebte Universum aus einer neuen und düsteren Perspektive.

Rogue One: A Star Wars Story..(Felicity Jones)..Ph: Film Frame..©Lucasfilm LFL
„Rebellion entsteht aus Hoffnung“ – Jyn Erso (Felicity Jones)

Rogue One spielt als Prequel zeitlich zwischen Episode III (Rache der Sith) und Episode IV (Eine neue Hoffnung). Während Luke Skywalker noch nichtsahnend bei seinem Onkel auf Tatooine lebt, breitet das Imperium seine Herrschaft über die gesamte Galaxis aus und setzte seinen Einfluss brutal durch. Es dauert nicht lange und es formt sich eine Rebellion, wodurch die Galaxis in einen verheerenden Bürgerkrieg stürzt. In diesen Konflikt wird die Hauptfigur Jyn Erso (Felicity Jones) hineingezogen.

Rogue One: A Star Wars Story..Director Krennic (Ben Mendelsohn)..Ph: Jonathan Olley..© 2016 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.
„Die Macht  mit der wir es hier zu tun haben ist unermesslich“ – Direktor Krennic (Ben Mendelsohn)

Die Star Wars Galaxie von Gareth Edwards ist eine düstere Galaxie. Anders als bei den Saga Filmen liefert Rogue One eine wesentlich düstere, verzweifeltere und schmutzigere Atmosphäre als man es erwarten würde. Stellenweise erinnert der Film eher an einen Kriegsfilm als an ein Märchen. Selbst Sturmtruppen, welche in anderen Star Wars Filmen selten mehr sind als, manchmal unfreiwillig komische, Prügelknaben, wirken bedrohlicher. Sie treten in Besatzermanier Türen ein und zerren Zivilisten unter Weinen und Geschrei aus ihren Häusern. Das sonst klare Schwarz/Weiss Schema von Star Wars wird durch verschiedene Grautöne ergänzt. Auch die sonst strahlenden Rebellen werden in ein anderes Licht gerückt, wenn man sieht wie rücksichtslos sie ihre Ziele verfolgen und Gefährdungen von Unbeteiligten billigend in Kauf nehmen. Gareth Edwards Star Wars wirkt dadurch zwar düsterer aber auch erwachsener und auf seine eigene Art und Weise faszinierend und vor allem glaubhaft.

Star Wars: Rogue One..L to R: Actors Riz Ahmed, Diego Luna, Felicity Jones, Jiang Wen and Donnie Yen..Photo Credit: Jonathan Olley..©Lucasfilm 2016
„Lasst zehn von uns wie hundert wirken.“ – Captain Cassian Andor (Diego Luna)

Ein anderer Star Wars Film verlangt auch andere Helden. In Rogue One muss die Rebellion ohne die Hilfe der mächtigen Jedi Ritter auskommen. Die ungleiche Truppe, die sich um Jyn Erso gesammelt hat erinnert mehr an das „dreckige Dutzend“ und sind scheinbar nur durch ihren Traum das Imperium zu besiegen vereint. Aufgrund des engen Filmkorsetts können die Beweggründe und Facetten der einzelnen Figuren leider nicht so gut beleuchtet werden, wie man sich das gerne gewünscht hätte. Trotzdem schaffen Sie es durch ihre schauspielerische Leistung und der geschriebenen Rolle Interesse und eine Verbindung zum Publikum aufzubauen. Manche Handlungen wirken zwar etwas konstruiert aber nie so sehr, dass es einen daran hindert mit zu fiebern, wenn man die Truppe auf ihrer aufregenden Mission begleitet.

Rogue One: A Star Wars Story..Saw Gerrera (Forest Whitaker)..Ph: Film Frame ILM/Lucasfilm..© 2016 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.
„Rettet die Rebellion! Rettet den Traum!“ – Saw Gerrera (Forest Whitaker)

Und die Mission hat es in sich. Der Film liefert durch seine abwechslungsreichen Schauplätze, gut orchestrierter Action und Effekten eine Achterbahnfahrt, die den Zuschauer nicht überfordert aber auch nur selten zur Ruhe kommen lässt. Die Kameraschnitte, insbesondere bei Raumgefechten, transportieren eine Geschwindigkeit und Glaubhaftigkeit, dass der Kinosessel selbst zum Cockpit wird. Der Film schafft es die Spannung bis zum Schluss aufrecht zu erhalten, bevor er dann mit einem, zwar teilweise etwas holprigen, aber solide gemachten Überleitung zu Episode 4 endet. Zusätzlich belohnt der Film auch die besonders kritische Star Wars-Gemeinde mit Anspielungen, Hintergründen und Aha-Effekten. Hier muss besonders Saw Gerrera erwähnt werden. Eine Figur aus der Animationsserie „the Clone Wars“, die durch Forest Whitaker gespielt wird. Vielleicht ein Zugeständnis der Produzenten an die Fans und ein Versprechen mit ihrem Lieblingsfranchise gut umzugehen.

Rogue One: A Star Wars Story..L to R: Chirrut Imwe (Donnie Yen) and Jyn Erso (Felicity Jones)..Ph: Jonathan Olley..© 2016 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.
„Haltet fest an diesem Moment, die Macht ist stark.“ Chirrut Imwe (Donnie Yen)

 

Rogue One hat nicht nur bewiesen, dass es sich lohnt Geschichten jenseits der Skywalkers zu erzählen, sondern, dass das Konzept der Star Wars Stories funktioniert. Es stellt außerdem ein weiteres Bindeglied zwischen den Trilogien dar und lässt auch Episode IV nun in einen anderen Licht erscheinen. Insbesondere die Szene, wenn Luke Skywalker den Todesstern vernichtet dürfte nach Rogue One nun eine ganz neue Wirkung haben.

 

Autor: Andre Hilgers – hotcritics.com

 

 

 

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ELECTRI_CITY – Die große Chance für Düsseldorf

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Dass sich in Düsseldorf eine der wichtigsten Quellen der elektronischen Musik befand, ist aktuell noch immer ein Geheimtipp. Kaum einer weiß aus welcher Stadt Bands wie DAF, Neu!, Kraftwerk, Die Krupps, Rheingold, uvm. kommen und welcher Hexenkessel Düsseldorf zur Zeit der ersten großen elektronischen Klänge war. Das kann sich jetzt aber ändern. In den letzten 2 Jahren entstand der trimediale Begriff ELECTRI_CITY. Zwei Compilations wurden bereits veröffentlicht. Dazu das entscheidende Werk „ELECTRI_CITY“ von Rüdiger Esch, dass als Oral History die Zeiten des elektronischen Düsseldorfs mitreisend auferstehen lässt. Als drittes Medium fügt sich dann noch die „ELECTRI_CITY Conference“ ein. Diese geht schon in die zweite Runde und steigerte sich in diesem Jahr so weit, dass Jean-Michel Jarre nicht nur eines seiner begehrten Konzerte in Düsseldorf gibt, sondern auch noch für eine Podiumsdiskussion zur Verfügung steht.

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Das alles ist schon viel und auf dem besten Wege, ein Stück Identität nach Düsseldorf zurückzubringen. Wenn sich diese Identität festigt, werden bald viel mehr Menschen wissen, was Düsseldorf mit elektronischer Musik zu tun hatte und hat. Genau an dieser Stelle steht dann der Medienkomplex ELECTRI_CITY. Er hat sich in der Szene als Begriff gefestigt und kann mit seinen Formaten der Ausprägung des elektronischen Düsseldorfs viel mehr Kraft geben, als das eine einzige Band jemals könnte. Neue wegweisende elektronische Bands können wieder entstehen. Vielleicht sogar ein neuer elektronischer Blizzard, der mit den neuen Möglichkeiten noch wilder, ungezügelter und künstlerischer tobt.

Die Herstellung der digitalen Musik ist inzwischen kein so kompliziertes Handwerk mehr wie damals. Die Techniken sind in Hülle und Fülle vorhanden und können spielerisch – auch mit visuellen Elementen – verbunden werden. Allerdings hat die Kreativität im Vergleich zu damals gelitten. Auf einer neuen elektrifizierten Erde in der ELECTRI_CITY könnten hier aber wieder starke elektronische Musikmasten in die Cloud wachsen.

Das wären die verlockenden Möglichkeiten. Entscheiden wird es am Ende aber Düsseldorf selbst. Wieviel Platz gibt es der neuen Identität und gehen die Menschen offen auf diese neue Entwicklung zu. Das alles wird über den Fortbestand der ELECTRI_CITY entscheiden und vielleicht sogar wieder eine weitere „German Wave“ auslösen. Um mehr darüber zu erfahren haben wir ein Interview mit Rüdiger Esch geführt um tiefer zu ergründen was sich in der ELECTR_CITY verbirgt.

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Redaktion: Herr Esch, vielen Dank für das Interview so kurz vor der „ELECTRI_CITY Conference“. Wie stark stehen sie gerade unter Strom.

Esch: Die ELECTRI_CITY Conference hat eine lange Vorbereitungszeit, weil so viele Künstler zusammengebracht werden müssen. Trotzdem wird es am Ende immer noch sehr stressig, da jetzt alles auf den Punkt kommt. Es motiviert aber, dass die Künstler die Conference jetzt kennen und somit viel leichter zusagen.

Redaktion: Viele kennen sich ja persönlich. Ist das ein weiterer Grund dafür, dass die Conference so gut angenommen wird.

Esch: Man kommt einfach noch lieber zu einem Event, wenn man viele Bekannte oder sogar Freunde dort trifft. Das macht auch die Conference aus, dass hier der gemeinsame Spirit immer wieder durchscheint und vom Publikum wahrgenommen wird. Dadurch wird alles intensiver und persönlicher.

Redaktion: Intensiv war ja auch die Zeit von 1970 bis 1986. Haben Sie deshalb den Stil der Oral History für ihr Buch „ELECTRI_CITY“ gewählt und was bedeutet dieser Stil für sie.

  1. Esch: Ich wollte von Anfang an nicht ein klassisches Buch über das Thema schreiben, da es dem Inhalt sonst nicht gerecht wird. Oral History ist für mich, dass die Künstler zu Wort kommen und sich sozusagen im Buch unterhalten. Obwohl diese Gespräche natürlich so nie stattgefunden haben, sind viele Inhalte direkte Aussagen der Künstler. Ist das Gespräch interessant, so bleibt der Leser dran. Wenn nicht, dann wählt er einfach ein anderes Jahr und lauscht dort den Gesprächen. Das ist sehr lebendig und entspricht dem damaligen Flair. In Düsseldorf war sehr viel neu und die Form der Oral History ist auch jetzt wieder neu.

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Redaktion: Viel es Ihnen somit leicht das Buch zu schreiben.

  1. Esch: Nein das war alles andere als leicht. Diese ganzen Individuen zu einem Guss zusammenzubekommen war wie ein riesiges Puzzle. Da tüftelt man schon ganz schön. Vor kurzem habe ich es mit einem befreundeten Musiker auch ins Englische übersetzt, was nochmal eine große Anstrengung war. Aber jetzt erscheint es in England mit meinem Wunschcover und das macht mich sehr stolz.

Redaktion: Der dritte Teil der ELECTRI_CITY sind ja die Compilations der elektronischen Musik aus Düsseldorf. Schlagen die Sampler auch bei den Jungen ein oder sind sie eher etwas für diejenigen, die sie noch aus der Zeit direkt kennen.

Esch: Die Compilations werden durch alle Altersgruppen gut verkauft. Es ist Sound, der auch heute noch sehr gut funktioniert. Manchmal glaubt man kaum, dass der Sound schon über 30 Jahre alt ist, so neu und aktuell klingt er. Das inspiriert anscheinend alle Generationen.

Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch Herr Esch und viel Erfolg bei der diesjährigen ELECTRI_CITY Conference

Rüdiger Esch ist Bassist der Gruppe „Die Krupps“ und Kernzelle der ELECTRI-CITY.

Die ELECTRI_CITY Conference findet am 14/15.Oktober in Düsseldorf statt. Dazu kommt das Konzert von Jean-Michel Jarre am 22. Oktober in Düsseldorf.

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