Violent Night – Silent Night

Regie: Tommy Wirkola

Darsteller: David Harbour, John Leguizamo, Leah Brady, Brendan Fletcher

Kinorelease: 01.12.2022

Der Zauber von Weihnachten wird ja oft imitiert und von vielen Verkaufsstrategen als Marketing-Booster verwendet. Was macht aber der richtige Weihnachstmann in unserer Welt. Santa Claus hat nur noch wenige Follower und Menschen, die an ihn glauben. Dazu ist er neben seinen ganzen Zauberkünsten ein Mensch mit einer teilweisen düsteren Vergangenheit. Diese kommt dann zum Vorschein als skrupellose Großverbrecher eine reiche Familie überfallen und dabei ein Kind, dass an den Weihnachtsmann glaubt, mit zu den Opfern zählt.

(from left) Linda (Alexis Louder), Trudy (Leah Brady) and Jason (Alex Hassell) in Violent Night, directed by Tommy Wirkola.

Violent Night steht in bester Tradition zu „The Nightmare before Christmas“, „How the grinch stole Christmas” und “Bad Santa”. Er zeigt den wahren Geist von Weihnachten in einer durch und durch brutalen Welt mit großartiger Komik. Somit vereint er unterschiedliche Genres und bespielt sie alle perfekt. Vor allem die ausgefeilten Charaktere machen Violent Night zu einem opulenten Festessen. Kleine Bemerkungen, Blicke, Andeutungen und Easter Eggs sind die Elemente in diesem fantastischen Weihnachtskonzert.

Jede Figur nimmt sich ernst und ist uneitel konsequent. Um dies auch körperlich umzusetzen, gab es auch viele Einzeltrainings für die Schauspieler. Das sieht und spürt man in den perfekt choreographierten Kampfszenen. Es gab Martial Arts Einzeltrainings, exakt inszenierte Einzelkämpfe und den Mut vieles zu zeigen. Das Ergebnis wirkt nicht sinnlos brutal, sondern eher kunstvoll wie ein Tarantino-Film. Die FSK ist somit sehr ernst zu nehmen, dient aber als perfektes Fundament für die Komik und Wendungen in Violent Night.

(from left) Producer David Leitch and John Leguizamo on the set of Violent Night.

Die Story muss auch noch extra hervorgehoben werden. Wie oft sehen wir sehr teure Blockbuster mit einer Geschichte, die dünner ist als ein Geschenkpapier. In Violent Night gibt es aber zahlreiche Wendungen und Überraschungen, die man oft nicht geahnt hat. Teilweise ist dabei der Überraschungseffekt so groß, dass man laut loslacht. Das ist gutes Storytelling bis zum Schluss. Das Ende muss zwar dann zu Weihnachten doch noch kitschig werden, aber das ist ja auch eine Kunst und mein Gott es ist halt Weihnachten.

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Der gestiefelte Kater – Der letzte Wunsch

Regie: Joel Crawford

Sprecher: Antonio Banderas (Benno Fürmann), Harvy Guillen (Riccardo Simonetti), John Mulaney (Oliver Kalkofe)

Kinorelease: 22.12.2022

Achtung!!! Gleich mal ein Disclaimer vorab: Das ist ein sehr erwachsener Animationsfilm, der es ernst meint. Nun gut, wenn man es so sieht, dann sind Märchen sowieso nicht Kindgerecht. Hexenverbrennung, abgeschnittene Versen und Morde sind hier an der Tagesordnung. Somit ist der gestiefelte Kater eigentlich in guter Gesellschaft und hat dabei noch ein Lächeln auf den Lippen. Ein sympathischer Gauner, der das Geld sowieso immer dem Volk gibt.

Aber jetzt hat er es übertrieben. Er hat ja wie jede Katze 9 Leben, aber 8 sind leider schon verbraucht. Da werden die brenzligen Situationen zur Endzeitstimmung. So muss er nicht nur um sein letztes Leben kämpfen, sondern auch um den letzten rettenden Wunsch. Da sieht man sein bisheriges Leben oft vorbeiziehen und kommt zum Grübeln. War es das wert? Wer bin ich wirklich und wann höre ich auf wegzurennen.

So wird das Lächeln des gestiefelten Katers immer nachdenklicher, trauriger, ängstlicher und eben auch mehr charaktervoll. Es ist ein Genuss diese Entwicklung in den waghalsigsten und irrsten Szenen zu sehen. Dazu sind vor allem auch die Bösewichter äußerst gelungen. Sie machen Ihren Job einfach gern und genießen ihre dunkle Seite so sehr. Dabei entwickeln sie auch ihren Charakter ständig weiter. So weiß man wirklich nicht was im nächsten Moment passieren wird und freut sich schon auf die nächste Boshaftigkeit.

Im Vergleich zum ersten Teil des gestiefelten Katers ist dieser Film deutlich ausgereifter, facettenvoll und viel gehaltvoller. Das sieht man auch an seinen Freunden. Die schenken es ihm so richtig ein. Dafür hat man eben Freunde, dass sie einem immer zeigen wo man noch wachsen kann. Begleiten Sie den gestiefelten Kater auf seiner Reise und genießen Sie diesen phantastischen Plot.

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Moonage Daydream


Regie:
Brett Morgens

Darsteller: David Bowie (Dokumentation)

Kinostart: 15.09.2022

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Rbya1J5OKmM

Nicht zuletzt die Aktion von Space X hat gezeigt, dass David Bowie nicht von dieser Welt ist. Elon Mask hatte einen Tesla in den Weltraum geschossen und dazu „Space Odity“ von David Bowie laufen lassen. Dieses Video ging um die Welt und hat gezeigt wie sehr David Bowie über der Erde schwebt.

Es ist schön im Dokumentarfilm von Brett Morgens in die Küstlerseele von David Bowie sehen zu können. Bowie war Sänger, Musiker, Maler, Videokünstler, Trendsetter und eine andauernde Inszenierung. Leider erkennt man aber auch wie distanziert er immer war, wie sehr er außerhalb der Welt stand. Er wirkt wie ein Künstlerwesen aus einer anderen Welt, welches viel versteht, aber selten Anteil nimmt.

„Weder Dokumentarfilm noch Biografie, sondern ein eindringliches Filmerlebnis“ David Bowie war nicht nur eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Musikszene, er war außerdem ein brillanter Sänger und Songwriter, der die Welt mit seinem ständig wechselnden musikalischen Stil sowie dem dazu passenden Look überraschen konnte.

Das David Bowie Estate gab dem Dokumentarfilmer Morgen einzigartigen Zugang zu ihren Archiven, eine Ehre, die bislang noch keinem Filmemacher vergönnt war. In deren Sammlung befanden sich seltene und nie zuvor gesehene Zeichnungen, Aufnahmen, Filme und Tagebücher. Für den Film hat das Soundteam – bestehend aus Bowies langjährigem Mitarbeiter, Freund und Musikproduzenten Tony Visconti und dem Oscar®-prämierten Tonmeister Paul Massey (Bohemian Rhapsody) – Bowies Originalaufnahmen neu abgemischt und für die Kinoleinwand aufbereitet.

Das Ergebnis ist eine expressive Collage aus Bildern und Musik, Gedanken und Inspirationen, in der David Bowie sogar größtenteils selbst zu Wort kommt. Wer vor dem Film noch kein Bowie-Fan ist, wird es spätestens nach den 140 Minuten sein. Selbst der Nachlass des Idols gab dem Film seinen Segen und das, obwohl sie sich von jedem anderen Vorgänger vehement distanzierten. 



Am Ende verlässt man das Kino mit dem Gefühl David Bowie einerseits sehr nahe gekommen zu sein und andererseits ihn nie wirklich verstehen kann. Eine Faszination an sich.

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Mord in St. Tropez – Release


Regie:
Nicolas Benamou

Darsteller: Rossy de Palma, Christian Clavier, Gérard Depardieu, Benoît Poelvoorde

DVD/Blu-Ray-Release: 24.06.2022

Es ist schon schwer zu fassen wie unbeachtet das französische Kino in Deutschland ist. „Mord in St. Tropez“ ist mit französischen Stars voll bepackt und trotzdem wurde er in Deutschland kaum beachtet. Na, dann muss man sich dieses Highlight eben als DVD oder Blu-ray holen und es immer und immer wieder ansehen.

Allein die Ausstattung ist schon ein Fest. Frankreichs „Haute Couture“ in den 70ern bei der High Society in St. Tropez. Was hier getragen, erleidet, genossen und geprotzt wird ist schwer zu fassen. In der Villa des Multimillionärs Tranchant tummeln sich Regisseure, Schauspieler und sonstige Schillergestalten. Extravaganz ist die gemeinsame Basis und das Glück scheint ungetrübt. Aber leider sind seit einiger Zeit Drohbriefe und Anschläge an der Tagesordnung. Da holt man sich als französischer Geldadel schon mal vom staatlichen Top-Kriminalamt einen Inspektor Under-Cover. Da es aber Sommerzeit ist gibt es hier leider nur Kommissar Boulin.

Was nun folgt ist Genuss pur. Die französischen Helden der surrealen Komik Christian Clavier und Benoît Poelvoorde geben hier eine Vorstellung der Sonderklasse. Tempo, Mimik, Natürlichkeit und vor allem Schamlosigkeit sind der Boden auf dem diese Komödie wächst wie ein Schlaraffenland. Man nehme sehr gutes schauspielerisches Handwerk, kombiniere es mit einem ausgewogenem Skript und würzt es mit französischer Historie. Fertig ist das Top-Gericht der französischen Schauspielerküche.

Nun gut, für deutsche Verhältnisse ist das schon sehr lebendiger Humor, den sicher nicht jeder schätzen kann. Wer aber eine perfekte Komödie mit ungebändigter Spielfreude schätzen kann, der ist hier perfekt bedient und beseelt. Das Ganze wird noch von einem wunderbar schrägem Epilog abgerundet, der nach alle dem unerwarteten Erfolg von Kommissar Boulin die ganze Tragik beschwört. Vom Feinsten.

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Belfast – Bürgerkrieg dirket vor der Grundschule


Regie:
Keneth Branagh

Darsteller: Judi Dench, Jamie Dornan, Hude Hill, Lewis McAskie

Kinostart: 24.02.2022

Die Unruhen in Belfast haben wir wohl alle auf die eine oder andere Art mitbekommen. Ein Bürgerkrieg mitten in Europa zwischen zwei Religionen, welche ihre Kämpfe eigentlich schon lange zurücklassen wollten.

(L to R) Jamie Dornan as „Pa“, Ciarán Hinds as „Pop“, Jude Hill as „Buddy“, and Judi Dench as „Granny“ in director Kenneth Branagh’s BELFAST, a Focus Features release. Credit : Rob Youngson / Focus Features

Was macht das aber aus den Kindern, die in dieses Umfeld hineingeworfen werden. Die Bedrohung ist allerorten. Vor der eigenen Haustür sind die Kämpfe und Anhänger der anderen Religion und schlagen die Scheiben des Wohnzimmers ein. In all dem Umfeld versucht man als Kind seine Grundschule, seine erste Liebe und das Kindsein zu meistern. Dabei muss man sehr schnell Entscheidungen treffen, die eher von einem Erwachsenen zu treffen sind.

Jude Hill (left) stars as „Buddy“ and Jamie Dornan (right) stars as „Pa“ in director Kenneth Branagh’s BELFAST, a Focus Features release. Credit : Rob Youngson / Focus Features

Obwohl das Umfeld extrem ist, versteht es der Film „Belfast“ nicht zu dramatisch zu werden. Wenn Gewalt geschieht, so ist sie persönlich nachvollziehbar, mittelbar und immer auch realistisch. Das ist zwar hart, aber somit versteht man die handelnden Personen, wird Teil von ihren Entscheidungen und findet auch das Schöne in ihrem Alltag.

Jude Hill (left) stars as „Buddy“ and Judi Dench (right) stars as „Granny“ in director Kenneth Branagh’s BELFAST, a Focus Features release. Credit : Rob Youngson / Focus Features

Der hervorragende Cast hat hierbei ein wichtiges Credo des Filmschaffens umgesetzt: Sich zurücknehmen. Niemand drängt sich nach vorne, drückt auf die Rolle oder übertreibt im geringsten. Die Rollen werden gewertschätzt, gelebt und authentisch dargestellt. Das ist große englische Bühnenerfahrung. So durchlebt man den Schrecken des Films mit großartiger Menschlichkeit, denn das ist es was uns ausmacht. So viel Stärke im Alltag gibt es eben nur in Irland.

(L to R) Writer/director Kenneth Branagh, actor Lewis McAskie, actor Jude Hill, actor Judi Dench, actor Jamie Dornan, and actor Caitríona Balfe on the set of BELFAST, a Focus Features release. Credit: Rob Youngson/Focus Features
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Achtsam morden – Das Übungsbuch

Autor:   Karsten Dusse

Erscheinungsdatum: 15.11.2021

Verlag: Heyne Verlag

Die Figur Joschka Breitner hat uns durch die Bücher von Karsten Dusse als hervorragender Achtsamkeits-Coach begleitet. Sein Rat kam immer direkt und man hatte das Gefühl, dass hier viele Wahrheiten für unser eigenes Leben enthalten sind. Ich habe las Leser oft darüber nachgedacht, wie ich seine Weisheiten in mein Leben einbauen kann. Damit mir das jetzt leichter fällt, dafür erschien nun dieses Übungsbuch nach der Joschka-Breitner-Methode.

Diese Besprechung ist keine Beschreibung der Anwendung des Buchs, indem man seine persönlichen Belange einträgt, sondern eine Rezension über den Aufbau und die Inhalte des Buchs. Wenn Euch diese Besprechung überzeugt, dann könnt Ihr Eure Erfahrungen direkt damit machen.

Der Aufbau der Fragen und Anregungen ist an den Büchern und Methoden von Joschka Breitner orientiert und so kann man dieses Übungsbuch auch anwenden, wenn man die Bücher „Achtsam Morden“, „Das Kind in mir will achtsam morden“ und „Achtsam morden am Rand der Welt“ nicht gelesen hat. Schade ist, dass sich die Struktur des Buches an den einzelnen Themen abarbeitet, diese aber nicht in eine für mich nachvollziehbare und aufeinander aufbauende Chronologie bringt. Sie wirken wie an einer Kette aneinandergereiht.

Der Witz der Bücher ist auch in diesem Übungsbuch enthalten, wenn auch nicht so ausgeprägt, da Herr Breitner halt eher ernster ist als unser Protagonist der Krimis selbst. Überragend sind die Zeichnungen, welche den Text begleiten. Schlicht, witzig, überraschend, logisch und immer treffend. Mein Vorschlag für die weiteren Krimis von Karsten Dusse wäre, dass er seine Bilder auch bei kommenden Büchern verwendet.

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JFK – REVISITED

Regie: Oliver Stone

Darsteller: Zeitzeugen, Wissende, Verschleierer uvm.

Kinostart: 19.11.2021

Digitalstart: 25.11.2021

„Ein US-Präsident wird am helllichten Tag vor den Augen der ganzen Welt ermordet. Da hatten die Menschen sofort das Gefühl, dass größere Kräfte am Werk gewesen sein müssen als ein einzelner Mann“

Die Fakten in diesem Film von Oliver Stone stellen sogar die Enthüllungen von Edward Snowden in den Schatten und dabei geschahen sie viele Jahrzehnte davor. Vermutlich wurde jedem damals schnell klar, dass die finalen Ergebnisse der Warren-Kommission nicht wahr sein konnten: Eine Wunderkugel, ein Alibi-Täter, welcher von einem Geheimdienstagenten erschossen wurde, Veränderungen von Tatsachen, Austritte aus der Warren-Kommission … alle diese nicht zusammen passenden Fakten liesen schon vermuten, dass hier etwas Hässliches schlummert.

Nun aber, nachdem viele Fakten offen gelegt werden mussten, zeigt sich erst das ganze Ausmaß des Verrats. Dabei geht der Dokumentarfilm von Oliver Stone sehr sauber und akribisch vor. So sind die ersten Abschnitte schon fast langweilig und scheinen penibel zu sein. Aber alles baut sich zu einer riesigen Pyramide an Entsetzlichkeiten der außer Kontrolle geratenen Einheiten der Regierung auf. Disruptive Romane werden stark übertroffen. Abgründe  öffnen sich und so langsam versteht man, wie so ein Staat auch Donald Trump hervorbringen konnte.

Photo of the Kennedys and Connallys in the Presidential car in Dallas JFK Assassination Materials: Warren Commission Document CD 727 File Name: CD 727_2010_001

Das schlimmste ist aber, dass vermutlich nicht sichergestellt ist, ob auch über Joe Biden ein solches Damokles Schwert schwebt. Wie weit darf ein amerikanischer Präsident die Freiheit und Wahrheit fördern, bevor er abserviert wird? Können die Geheimdienste überhaupt noch unter Kontrolle gebracht werden? Falls nicht, wie groß werden die Verbrechen dieser Organisation noch werden. Vor allem in einer Zeit der untergehenden alten weißen Männer, welche sich noch entschiedener und verbissener an ihre schwindende Macht klammern werden?

Mit einer schrecklichen Wahrheit steht man nach dem Film verloren da und erkennt, dass der Feind inzwischen nicht mehr greifbar ist. „The land of the brave“ ist auf alle Fälle schon lange vorbei. Das ist sicher ein seltsames Ende für eine Kritik, aber es zeigt genau den Eindruck, den man aus dem Film mitnimmt: Wir brauchen eine neues Weltbild!!!!

… graveyard of democracy
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Kings of Hollywood

Regie: George Gallo

Darsteller: Robert De Niro, Tommy Lee Jones, Morgan Freeman, Zach Braff,
Emile Hirsch, Kate Katzman

DVD/Bluray-Release: 11.11.2021

Ja, der Titel „Kings of Hollywood“ ist gerechtfertigt, denn hier geht es um die wahren Herrscher in Hollywood, nämlich die Produzenten. Ein Job, bei dem es um Träume, Luftblasen, Gewinne, Protzen und ja am Rande auch um Filme geht. Um so einen Stoff real darzustellen braucht es große Kaliber und das ist hier definitiv zweideutig gemeint. Einerseits ist es die fantastische Darstellung von allen Schauspielern und andererseits sind hier Revolver ein wichtiges Argument.

Getragen wird der Plot von einem großartigen Ensemble. Von den gerissenen Haudegen bis zu den relativ jungen Darstellern bleiben hier keine Wünsche offen. Zwischentöne, Andeutungen und perfekte Großmäuligkeit zeigen die große Palette der Darstellungen. Dabei ist der Plot alles andere als spannend, denn es geht um einen klassischen Western mit einem mehr als in die Jahre gekommenen Hauptdarsteller, der aus dem Seniorenheim gecastet wurde.

Was an „Kings of Hollywood“ fasziniert ist die hervorragende Ausstattung einer Zeit in der in den USA die Mode noch voller Phantasie war. Die 7oer geben hier den passenden Background und so explodiert auch der scheinbar langweiligste Stoff zu einem Feuerwerk. Deshalb wollen wir Euch hier noch kurz die Mode von Kings of Hollywood zeigen.

Stoffe mit Textur – Denim, Cord, Seide und Wildleder

Der abwechslungsreiche, aufregende Look der 70er Jahre wurde unter anderem durch Stoffe mit interessanten Texturen erzielt. Besonders Cord, Jeans, Wildleder und Seide waren beliebt. Entweder wurden die verschiedenen Texturen miteinander kombiniert oder als All-Over-Look getragen. Walter Creason (Zach Braff) macht in KINGS OF HOLLYWOOD vor, wie man beispielsweise Jeans lässig von Kopf bis Fuß trägt. Sein Hemd gibt zudem gleich einen Hinweis auf den nächsten wichtigen Modetrend der Dekade.

Supersize me – überdimensionierte Sonnenbrillen  

Ganz egal, welches Modell – bei Sonnenbrillen galt im Gegensatz zu den kurzen Röcken und Hosen die Maxime “Mehr ist mehr!”. Denn die Brillengläser in den 70ern sollten vor allem möglichst groß ausfallen. Max Barber (Robert DeNiro) und sein Neffe Walter Creason (Zach Braff) sind Fans von riesigen Aviators und tragen diese fast durchgehend am Set ihrer neuesten Filmproduktion. Die junge Regisseurin Megan Albrecht (Kate Kazman) hingegen bevorzugt runde John-Lennon-Brillen, wodurch ihr gesamter Look sehr lässig wird.  

Orangen und Tannenwälder – warme Erdtöne und natürliche Farben

Die Farbpalette der 70er festzulegen, gestaltet sich ebenso wie einen einheitlichen Trend der Dekade zu bestimmen: So gut wie unmöglich, denn alles war erlaubt und vertreten. Dennoch kristallisierte sich vor allem Orange als Trendfarbe heraus, zusammen mit Rostrot, Kupfer oder Senfgelb. Kombiniert wurden die warmen Farbtöne besonders gern mit kräftigem Tannengrün. Duke Montana (Tommy Lee) zeigt in seinem glamourösen Western-Outfit, wie toll die Farben zusammenpassen!

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The French Dispatch

Regie: Wes Anderson


Darsteller: Benicio Del Toro, Adrien Brody, Tilda Swinton, Léa Seydoux, Frances McDormand, Timothée Chalamet, Lyna Khoudri, Jeffrey Wright, Mathieu Amalric, Stephen Park, Bill Murray, Owen Wilson, Christoph Waltz, Edward Norton, Jason Schwartzman, Anjelica Huston


Kinostart 21.10.2021

THE FRENCH DISPATCH. Photo Courtesy of Searchlight Pictures. © 2020 Twentieth Century Fox Film Corporation All Rights Reserved

THE FRENCH DISPATCH erweckt eine Sammlung von Geschichten aus der letzten Ausgabe einer amerikanischen Zeitschrift zu Leben, welche in einer fiktiven französischen Stadt im 20. Jahrhundert erscheint. Für die Idee, einige Geschichten und die Regie zeichnet Wes Anderson verantwortlich. Schon von der ersten Sekunde des Films ist seine Handschrift spürbar.

(From L-R): Elisabeth Moss, Owen Wilson, Tilda Swinton, Fisher Stevens and Griffin Dunne in the film THE FRENCH DISPATCH. Photo Courtesy of Searchlight Pictures. © 2020 Twentieth Century Fox Film Corporation All Rights Reserved

So ist das Format ab Start ungewöhnlich. Eben nicht Cinemascope sondern quadratisch. So wie schon dadurch unsere Sichtgewohnheit irritiert ist, so geht es im Film dauernd fort. Die Kamera ist öfter fixiert und wie in einem Wimmelbild bewegen sich die Schauspieler im Raum. Ungewöhnliche Perspektiven und Ansichten prasseln aufeinander. In all dem werden die außergewöhnlichen Geschichten erzählt und lassen uns atemlos zurück.

Noch lange nach dem Film tauchen die intensiven Bilder immer wieder vor unserem geistigem Auge auf. Ungefragt, aber inspirierend. Das Wes Anderson wie schon so oft auf einen phantastischen Cast zurückgreifen kann ist ein Segen. Denn dadurch werden die Geschichten noch greifbarer, echter und intensiver. Alles wird aber durchzogen vom Geist von Bill Murray dem Chefredakteur.

(From L-R): Bill Murray, Wally Wolodarsky and Jeffrey Wright in the film THE FRENCH DISPATCH. Photo Courtesy of Searchlight Pictures. © 2021 20th Century Studios All Rights Reserved

Er gibt den Rahmen vor, legt die entscheidenden Weichen um und nimmt Textpassagen – immer in Abstimmung mit den Redakteuren – rein oder raus. Dazu sorgt er sich um seinen kreativen Stab und hat diesen auch handverlesen. Selbst der Kellner der jeden Tag die Bestellungen von der Bar bis in den 4ten Stock bringt wird in den kreativen Prozess mit eingebunden.

Bill Murray and Pablo Pauly in the film THE FRENCH DISPATCH. Photo Courtesy of Searchlight Pictures. © 2020 Twentieth Century Fox Film Corporation All Rights Reserved

Am Ende wünscht man sich, dass es „The French Dispatch“ wirklich gegeben hätte und man jeden Monat einen solchen Film sehen kann. Was für ein Fest, aber vermutlich bleibt auch „The French Dispatch“ wieder einzigartig, wie so viele Filme von Wes Anderson.

“The French Dispatch” Red Carpet – The 74th Annual Cannes Film Festival CANNES, FRANCE – JULY 12: [ Wes Anderson, Mathieu Amalric, Bill Murray, Tilda Swinton, Timothée Chalamet, Adrien Brody, Lyna Khoudri, Hippolyte Girardot, Owen Wilson, Alexandre Desplat, Benicio del Toro, ] attends the “The French Dispatch” Screening during the 74th annual Cannes Film Festival on July 12, 2021 in Cannes, France. (Photo by Serge Arnal For Disney Studios) *** Cannes***
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Contra – Sprachexplosionen

Kinostart: 28.10.2021

Regie: Sönke Wortmann

Darsteller: Nilam Farooq, Christoph Maria Herbst, Hassan Akkouch, Ernst Stötzner

„Klarheit in der Sprache ich das höchste Gut. Ohne Klarheit in der Sprache ist der Mensch nur ein Gartenzwerg“ (Element of Crime)

Diese Zitat beschreibt genau, wie sich Naima in ihrer hart erarbeiteten ersten Lesung in der juristischen deutschen Fakultät in Frankfurt fühlt. Sie kommt zu spät in den voll besetzten Hörsaal und der Professor nimmt sie vor versammelter Mannschaft auseinander. Zu ihrem zweischneidigem Glück mit Aussagen, welche auch als rassistisch ausgelegt werden können und schon nimmt der Film Fahrt auf. Ein Shitstorm gegen den Professor geht steil und ein Disziplinarverfahren droht ihm nicht mehr wie bisher, sondern ist in einer Monatsfrist festgesetzt. Der einzige Strohhalm der ihm gereicht wird ist, dass er Naima für den hochkarätigen deutschen juristischen Debatierwettbewerb fit macht.

Somit ist das Spielfeld definiert. Was aber nun geschieht ist zeitlos. Um die Größe dieses Films zu erkennen muss man wissen, dass er auf einem sehr erfolgreichem französischem Drehbuch basiert: „Le Brio“. Dies hat zur Folge dass die Debatten sehr ausgefeilt und nach ALLEN REGELN DER KUNST perfektioniert wurden. Dies ist die solide Basis des Films und auf dieser wächst er langsam aber unaufhaltsam empor.

Christoph Maria Herbst hat ja sein Können schon oft in Filmen eingesetzt, aber noch nie hat er es so gekonnt exhibitionistisch zur Schau gestellt. Er riskiert sich hierbei im großen Stil, aber davor hatte er noch nie Angst. Dieser Film ist ein offzielles Bewerbungsvideo für die Aufnahme als Ehrenprofessor in die juristische Fakultät in Frankfurt und wird einen massiven Anmeldungssturm auf diese Fakultät zur Folge haben.

Prof. Dr. Richard Pohl ist die perfekte Wand gegen die Naima (Nilam Farooq) immer wieder läuft. Dabei schärft sie sich und ihre Sprache. Sie entwickelt sich und ist aber – zum Gegenbild zum Professor – ein Mensch und keine Maschine. Es ist faszinierend zu sehen, wie diese Menschlichkeit an dem perfekten Professor nagt. Er wird gleichzeitig zum übermächtigem Lehrmeister als auch zum kleine Schüler der Menschlichkeit.

Das alles bewegt uns als Zuschauer in einer Art, die wir wohl noch selten mit exkat Null Spezialeffekten im Kino erlebt haben. Wir erleben die Größe, Verletzlichkeit, Zartheit, Gewalt und Verführung der (in diesem Fall deutschen) Sprache. Dieser Film wird von jedem eine andere Reaktion hervorrufen, aber sicher NIEMANDEN unberührt lassen.

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