Jeder Mensch – Neue Grundrechte

Ferdinand von Schirach ist inzwischen als Autor von vielen wohlüberlegten, aber auch provokanten Theaterstücken, Filmen und Fernsehstücken ein Begriff. Er stellt einfache Fragen mit komplexen Antworten. Der gesunde Hausverstand – mit dem so viele schnell Urteile fällen – wird bei ihm kritisch beleuchtet und die Konsequenzen von kurz überlegten Aktionen ausgeführt. Um diese Konsequenzen geht es auch in seinem neuen Buch, oder besser gesagt Aufruf an die europäischen Bürgerinnen und Bürger.

In seiner Schrift „Jeder Bürger“ holt er uns erst einmal in der Geschichte der Grundrechte ab. Thomas Jefferson und Benjamin Franklin (1776), Marie-Joseph Motier, Marquis de Lafayette (1789), Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2009). All diese Meilensteine stellt er in schnellen Kontext und macht uns so die Wichtigkeit der Verfassung dieser grundlegenden Rechte klar.

Was bedeutet das aber für uns heute und für unsere Zukunft? Globalisierung, Digitalisierung, künstliche Intelligenz und der Klimawandel stellen unsere Gesellschaft vor neue Herausforderungen und schaffen Handlungsbedarf! Aber irgendwie nimmt sich niemand dieser Sache an und somit reifte in Ferdinand von Schirach der Gedanke dies fundiert, aber auch prägnant anzustoßen.

Nur 32 Seiten umfasst dieses kurze Büchlein, aber der Inhalt ist gewaltig. Es ist die Essenz vieler langer Überlegungen, welche immer weiter vereinfacht wurden und in 6 pointierte neue Grundgesetze gefasst wurden. Jedes liest sich leicht, ja fast selbstverständlich und ist trotzdem voller umfangreicher Auswirkungen. So viele breite Diskussionen in der Presse, im Fernsehen oder mit den Nachbarn finden hier ihren Widerhall.

Diese kurze Schrift bedeutet eine Zäsur in der wichtigen Entwicklung der Digitalisierung und es ist wichtig, dass es ein breit anerkannter Mensch wie Ferdinand von Schirach geschrieben hat. Ein MUSS für jeden, der will, dass die Entwicklungen der Jetztzeit durch einen neue Moral ohne Dogma geleitet werden. Der erste Schritt ist mit dieser Schrift gemacht. Vielen Dank Herr von Schirach.

Autor: Ferdinand von Schirach

Titel: Jeder Mensch

Land: BRD

Verlag: Luchterhand Literaturverlag

Erscheinungsdatum: 13. April 2021

Weiterführende Informationen:

Unter www.jeder-mensch.eu können alle Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union ab April die Initiative unterstützen und den Impuls für einen Verfassungskonvent geben. Die Abstimmung ist ein erster Schritt, um die Zukunft entsprechend den aktuellen Vorstellungen von Menschenwürde und Gerechtigkeit mitzugestalten und eine konstruktive gesellschaftliche Debatte zu entfachen.

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Unter Freunden stirbt man nicht – Was würdert Ihr tun?

Es gibt Momente im Leben, da muss man in den Spiegel sehen und eine Entscheidung treffen. Hier ist so ein Moment für Euch.

Schließt die Augen. Stellt Euch vor, dass einer Eurer engen Freunde, den Ihr wirklich schätzt, großen verdienten Ruhm erlangen könnte, wenn Ihr ihn erst 5 Tage später für Tod erklären lasst.

Spannendes Setting, aber was in dieser Miniserie dazu abgeliefert wird, sprengt nicht nur die Grenzen des Privatfernsehens, sondern auch die Grenzen der Schauspieler, welche über sich hinaus in die absolute Ehrlichkeit wachsen.

Jede Episode ist einem der Freunde gewidmet und wird mit entsprechenden und ABSOLUT überraschenden, aber nicht unrealtistischen Details versehen. So macht jede Sekunde in dieser Serie Lust auf die nächste. Es ist schräg, nachvollziehbar, langweilig, explosiv, rührend und irgendwie einfach so wie wir sind.

Indem die Figuren so sind, wie sie einfach sind in ihrem Zögern und Zaudern, so werden wir angezogen und wünschen uns dass diese 5 Tage nie und nimmer vorbeigehen.

Regie: Felix Stienz

Darsteller: Adele Neuhauser, Michael Wittenborn, Heiner Lauterbach, Iris Berben, Walter Sittler

Land: BRD

DVD-Release: 02.04.2021 © 2021 LEONINE Studios

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Dreiviertelblut – Weltraumtouristen

„KAUFE EINE DVD UND BEKOMME ZWEI“ – So könnte man dieses Werk marktschreierisch ankündigen, weil auf der DVD sowohl der Film Weltraumtouristen enthalten ist, als auch das gesamte Konzert mit Dreiviertelblut und den Münchner Symphonikern.

Allerdings wäre die Art nicht passend, denn in Weltraumtouristen ist viel Platz für leise Töne. Gerd Baumann und Sebastian Horn als der Kern der Band Dreiviertelblug erzählen lang, bewusst und mit viel Gefühl. Überlegungspausen werden mit Naturbildern und Weltraumbildern gefüllt. Dazu wird der Applaus bei Konzerten fast gänzlich weggelassen und der ganze Film ist in schwarz-weiß.

Erkenntnis über Erkenntnis kann sich hier entfalten und am Ende ist man sich bewusst, dass wir alle auf der Erde Weltraumtouristen sind. Wir sitzen hier auf der scheinbaren Festigkeit unserer Umgebung und wissen doch, dass wir mit rasender Geschwindigkeit durchs All reisen.

Nach diesem Film ist man ein anderer, weit nachdenklicher, aber auch glücklicher Mensch. Man erfühlt die Texte und die Musik von Dreiviertelblut und wird wohl die Lieder bei neuem Hören ganz anders wahrnehmen. Was für ein Werk.

Regie: Marcus H. Rosenmüller

Idee: Marcus H. Rosenmüller & Johannes Kaltenhauser

Darsteller: Gerd Baumann, Sebastian Horn, Dominik Glöbl, Flurin Mück, Olivier Tardy & Münchner Symphoniker

Land: Deutschland / Bayern

DVD / EST/VOD – Release: 25.02.2021

Digitaler Download – Release: 16.02.2021

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The honest thief – Harte Arbeit

Liam Neeson ist ja bekannt für seine Action geladenen nachdenklichen Typen. In „The honest thief“ legt er aber nochmal einen drauf. Er ist ein hart arbeitender Bankräuber, der Wert auf gute Arbeit legt. Die Tresore welche er knackt sehen danach völlig unversehrt aus, da ihm sein Ganovenethos so wichtig ist, dass er auch noch die Wände neu verputzt damit nichts auffällt.

Das könnte auch noch ewig so weitergehen, wenn er nicht die Liebe seines Lebens kennengelernt hätte und sich nun stellen will, damit die Beziehung auf guten Beinen stent. Aber hier fangen die Schwierigkeiten an.

Spannend an „The honest thief“ ist das Zwischenspiel zwischen 4 FBI Agenten, welche an der Legalisierung des Meisterdiebes beteiligt sind. Alle haben andere Ansichten, welche das ehrliche Leben für den reuigen Verbrecher schwer, hart und lebensgefährlich machen.

Die Charakter der Agenten, des Bankräubers und seiner Freundin verändern sich im Film und man ist sich nie sicher welche Entscheidungen die Personen als nächstes Treffen. Das ist spannend und immer nachvollziehber. Schade ist, dass es am Ende sehr glatt geht mit dem Plan und die bösen Agenten überführt werden. Aber spannend ist es allemal.

Regie: Mark Williams

Darsteller: Kate Walsh, Liam Neeson, Jai Courtney, Jeffrey Donovan

Land: USA

DVD/Blu-ray-Release: 01.04.2021 (digital schon ab 28.01.2021)

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Tesla – DVD/Blu-ray

Der Begriff Tesla ist heute ja fest mit der disruptiven Automarke verbunden. Nur wenige wissen, dass diese Marke und auch das Logo auf den genialen Ingenieur und Erfinder Nikola Tesla referenziert. Diese Wissenslücke schließt der Film „TESLA“ mit Ethan Hawke in seiner vermutlich intensivsten Rolle.

Der junge Ingenieur Nikola Tesla (Ethan Hawke) ist ein vielversprechender Angestellter in Thomas Edisons (Kyle MacLachlan) Electric Light Company. Doch schon bald zeichnet sich ein Bruch zwischen den beiden sehr gegensätzlichen Männern ab, der sie zu lebenslangen Rivalen machen wird. Der brillante aber sozial unbeholfene Immigrant Tesla wendet sich an den Industriemagnaten George Westinghouse (Jim Gaffigan), der fortan Teslas Arbeit an seinem bahnbrechenden Stromsystem finanziert.

Gleichzeitig arbeitet der geniale Erfinder bereits ungeduldig an einem neuen ambitionierten, vom Bankier J.P. Morgan (Donnie Keshawarz) finanzierten, Projekt. Dabei begegnet Tesla Morgans Tochter Anne (Eve Hewson) und steht vor der Entscheidung, sich weiter seiner Arbeit oder der Liebe hinzugeben.

Im Film wird hierbei auch noch die faszinierende, zerstörerische und mystische Beziehung mit Sarah Bernard aufgezeichnet. Diese Frau wird sowohl von Tesla als auch von Edison umworben. Somit ist sie ein Spiegelbild ihres lebenslangen Wettkampfes.

Besonders an der DVD-/Blu-ray-Fassung sind die Interviews hervorzuheben. Das Interview mit Ethan Hawke ist erleuchtend und schafft so viele Zusammenhänge die den Film verstärken, erklären und zwingend begründen. Schon allein deshalb sollten sich auch diejenigen, welche den Film bereits im Kino gesehen habe, diese Fassung ins Homekino holen.

Regie: Michael Almereyda

Darsteller: Ethan Hawke, Kyle MacLachlan, Eve Hewson, Lucy Walters, Josh Hamilton

Land: USA

DVD/BlueRay-Release: 24.12.2020

©2020 LEONIDE

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Der Boandlkramer und die ewige Liebe

BOANDLKRAMER, DER [ˈboɐ̯ndl̩ˌkʀaːmɐ], bayerisch: der personifizierte Tod, Zusammensetzung aus Boandl (bayerisch für „Gebeine, Knochen“) und Kramer („Krämer, Händler“)

Der Boandlkramer ist verliebt. Oder eher gerührt. Egal, auf alle Fälle spürt er wieder Leben in sich. Aber leider hatte er ja schon zu Lebzeiten keine Erfahrungen mit Damen gesammelt und der Job als Totenkutscher macht ja auch nicht gerade sexy.

Bully Herbig hat sich an die Kronjuwelen der bayerischen Kultur gewagt. An ein Stück, dass über 30 Jahre im Residenztheater gezeigt wurde und einen Schauspieler nach dem anderen überlebt hat. Dieses Erbe wollte er vergrößern und hat hier viel riskiert.

Er hat das bayerische mit der großen weiten Welt verbunden. Wo bisher eitles Kleinbürgertum lebte ist nun die ganze Welt das Maß aller Dinge. Da Bully auch selbst die Hauptrolle spielt, kann er sich so richtig austoben und verbindet amerikanischen Slapstick mit bayrischer Gemütlichkeit. Das wird sicher zu einem Aufruhr führen, aber nach dem ersten Schock werden auch die härtesten Bayernschützer die Modernisierung genießen.

DER BOANDLKRAMER UND DIE EWIGE LIEBE (AT), Deutschland 2019, Regie: Joseph Vilsmaier …Text…© Perathon Medien GmbH/Hendrik Heiden

Bully hat mit diesem neuen Stück des Boandlkramers wieder mal ein neues Genre kreiert und man darf gespannt sein, was hier noch folgen wird. Am besten bedienen sich hier viele weitere bayerische Kreative und reiten diese Welle weiter. Das wäre für Bayern ein Segen.

Regie: Joseph Vilsmaier

Darsteller: Michael Bully Herbig, Hape Kerkeling, Hannah Herzsprung, Sebastian Bezzel, Sigi Zimmerschied, Rick Kavanian, Jürgen Tonkel, Eisi Gulp, Götz Otto

Land: Bayern

Kinostart: Sobald die Kinos wieder offen sind

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Faking Bullshit

Schon von der ersten Sekunde ist hier klar, dass alle Vorurteile auf den Prüfstand gestellt werden. In der braven Provinz gibt es ja auch sonst wenig zu tun und das genau ist das Problem dieser Polizeidienststelle: Zu wenig Verbrechen. Deshalb kommt die Aufsicht aus der Landeshautpstadt und soll hier mal prüfen und falls nötig auch aufräumen oder sogar abschaffen.

Aufsicht mit Argusaugen

Somit ist das Setting gesetzt, aber was dann Alexander Schubert mit perfekt getimter Komik aufbaut und eskaliert geht weit darüber hinaus. Dabei ist alles stimmig und nachvollziehbar. Das wichtigste an diesem Film ist aber, dass keine einzige Figur verraten wird. Witzfiguren sind sie irgendwie alle, aber jeder einzelne hat seine Größe, seinen Mut und seinen Charakter.

Polizeirevier mit Charakter

Das macht „Faking Bullshit“ so schön, so menschlich und auch so kontrovers. Dabei werden die vielen Alltagsvorurteile so sorgsam seziert und bearbeitet, dass man sich selbst leider auch oft wiederfindet. Alexander Schubert hat viel beobachtet in der deutschen Realität und diese auf eine Art dargestellt, dass ein einzigartiges Werk entsteht.

Krimineller wider Willen

Überdies hat er es noch mit konfrontierender Kunst verbunden, die sich aber mühelos in den Alltag der Protagonisten integriert. Auch wenn dies zu vielen teilweise schmerzlichen Veränderungen führt. Das fantastische und nicht konstruierte Ende des Films setzt ein würdiges Ausrufezeichen zum Schluss. So kommt man mit einem neuen Blickwinkel in seine eigene deutsche Realität und dafür sind gute Filme ja da.

Geheime Besprechung

Regie: Alexander Schubert
Darsteller: Erkan Acar, Adrian Topol, Bjarne Mädel, Sina Tkotsch
Land: Deutschland
Kinostart: 10.09.2020

Auch als Schauspielkollegen eingespielt

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Die Känguru-Chroniken Reloaded

Die Känguru-Chroniken Reloaded

Am 2. Juli, pünktlich zum Beginn der Sommerferien in den ersten Bundesländern, starten deutschlandweit in allen Kinos ganz neu: „DIE KÄNGURU-CHRONIKEN RELOADED“ mit einer Einstellung in 3D!

Hintergrund
Mit über 500.000 Zuschauern in 700 Kinos nach nur zehn Tagen waren DIE KÄNGURU-CHRONIKEN mit Abstand auf Platz eins der deutschen Kinocharts und auf dem besten Weg, der erfolgreichste deutsche Kinofilm im Jahr 2020 zu werden.
Durch das Virus leider jäh ausgebremst, hat X-Verleih gemeinsam mit Sprechern der Kinoverbände beschlossen, DIE KÄNGURU-CHRONIKEN 30 Tage nach Kinostart  auf den VoD-Plattformen bereitzustellen und die Kinos an diesen digitalen Erlösen zu beteiligen – ein Novum in der Film- und Kinolandschaft! Diese anteiligen Erlöse fließen in einen Corona-Rettungsfonds, der von den Kinoverbänden HDF, AG Kino und BkF e.V. verwaltet wird.

Auf vielfachen Wunsch der Fans haben die Macher die Zeit der Kinoschließungen genutzt und eine neue Einstellung in 3D hinzugefügt.
Gerade weil sich nach einer aktuellen Umfrage die Mehrheit der Kinogänger auf Filme freut, die sie vor der Schließung der Kinos verpasst haben, sind wir glücklich, dass die Kino DIE KÄNGURU-CHRONIKEN nun wieder zeigen.
Und jetzt die Besprechung des Films:

Es klingelt und dann ist es auf einmal da: Das Känguru!?! Von Anfang an ist klar, dass in diesem Film alles anders läuft. Dabei wird nichts erklärt, sondern eben einfach gemacht. Das ist frisch, das ist Berlin, wie es mal war. Das ist eben das Känguru. Bei dem Bekanntheitsgrad, den das kommunistische Känguru inzwischen erreicht hat, sind alle Erklärungen sowieso überflüssig. Am besten duzt man diesen Film von Anfang an. Er ist wie ein witziger Kumpel mit dem man gerne um die Häuser zieht und Abenteuer erlebt, die schon weit drüber sind, aber eben auch richtig gut.

Marc-Uwe Kling hat in diesem Film zwei wichtige und gute Entscheidungen getroffen. Erstens er spielt nicht sich selbst und zweitens hat er eine neue Geschichte mit den bekannten Protagonisten und Sidekicks erstellt. So ist es spannend das K&K (Känguru und Kling) zu begleiten und mal wieder so richtig Gas zu geben. Gebremst wird hier im wahrsten Sinne des Wortes eben genau nicht und das ist gut so. Aktion der anderen realen Art. Da gibt es mal auf die Fresse und sämtliche politisch unkorrekten Register werden ebenfalls gezogen. Das Feindbild ist klar und die Aktionen entsprechend extrem und mit dem besten aller Gewissen ausgeführt.

Da darf natürlich auch der punkige Grundton in der Musik nicht fehlen, welcher so rotzig ist wie Herta selbst. Denn merke: Du denkst Du bist hart, aber ich bin immer noch Herta. Das ist alles so gelungen von vorne bis hinten, dass man hier den Cliffhänger auf den zweiten Teil nicht nur verzeiht, sondern sogar richtig feiert. Als ab ins Szenekino Eurer Wahl, schräges Getränk an der Kasse rauslassen und sich tief in den Sitz lümmeln. Die Aktion kommt von selbst.

Regie: Dani Levy
Drehbuch: Marc-Uwe Kling
Darsteller: Das Känguru, Dimitrij Schaad, Rosalie Thomass, Adnan Maral, Tim Seyfi, Henry Hübchen
Land: Deutschland
Kinostart: 05.03.2020 / Reload 02.07.2020Facebooktwitterredditpinterestlinkedinmail

STAR WARS – Der Aufstieg Skywalkers

Regie: J.J. Abrams
Darsteller: Carrie Fischer, Mark Hamill, Adam Driver, Daisy Ridley, John Boyega
Land: USA
Kinostart: 19.12.2019

The Millenium Falcon in STAR WARS: THE RISE OF SKYWALKER.

Wenn man in den inzwischen 9ten Teil der STAR WARS Saga geht, dann scheint es zuerst so als ob man wieder mal einen Film der Reihe konsumiert. Teil 7 und 8 waren ja stellenweise Wiederholungen mit anderen Figuren. Dann sitzt man im Kino, das Licht geht aus und eine dunkle Pause entsteht, in welcher die Zeit stehen zu bleiben scheint. Plötzlich knallt das STAR WARS Logo mit dem bekannten Soundtrack in das Kino und man ist sofort wieder elektrisiert. Sternenhimmel und der übliche in das Universum entschwebende Text ist angenehm bekannt, aber verspricht Neues.

C3PO (Anthony Daniels), Finn (John Boyega) and Poe Dameron (Oscar Isaac) in STAR WARS: THE RISE OF SKYWALKER.

Die neuen Charaktere sind inzwischen bekannt und ans Herz gewachsen. Sie spielen mit den früheren Figuren aus dem STAR WARS Universum mühelos zusammen. Man fühlt sich wie in einem Setting mit guten alten Freunden, identifiziert sich teilweise mit alten als auch mit neuen Rollen und erlebt ein bekanntes als auch vollkommen neues STAR WARS Universum. Das Schöne hierbei ist, dass Unstimmigkeiten aus früheren Filmen behoben werden. Lose Enden werden zusammengeführt und vielschichtige Charaktere ausgearbeitet. Die Vielschichtigkeit ist wohl das Entscheidendste an dieser sehr guten Umsetzung. Auch die Androiden haben Tiefe und Witz, der sich in diesem Teil noch weiter gesteigert hat.

Lando Calrissian (Billy Dee Williams) in STAR WARS: THE RISE OF SKYWALKER.

Dazu gibt es noch interessante Einblicke in das Jedi/Sith Universum, welches weitere für die nötige Tiefe eines gehaltvollen Films sorgt. Man merkt hier die führende und handwerklich sorgsame Hand des Regisseurs J.J. Abrams, der ja überwiegend als Produzent aktiv ist. J.J. hat den langen Atem den es braucht um eine Saga fortzuführen und hat hier auch als Autor gewirkt. So konnte eine phantastische Geschichte mit vielen passenden Wendungen entstehen, welche ein würdevolles Ende setzt.

Kylo Ren’s restored helmet in STAR WARS: THE RISE OF SKYWALKER.
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Ich war noch niemals in New York – Begeisterndes deutsches Entertainment

Regie: Philipp Stölzl
Darsteller: Michael Ostrowski, Heike Makatsch, Katharina Thalbach, Moritz Bleibtreu, Uwe Ochsenknecht
Land: Deutschland
Kinostart: 10.10.2019

Es hat diesen Musical-Film dringend gebraucht, damit man die virtuose Leichtigkeit der Lieder von Udo Jürgens so deutlich erkennen kann. Die österreichisch/deutsche Besetzung erschafft eine Magie, welche man in dieser Art wohl noch selten in einer deutschen Produktion gesehen hat. Sie verhalten sich wie amerikanische Show-Profis und bleiben trotzdem Germans. Es ist eine neue Dimension. Denn wenn Spießer sich derart austoben können, was steckt dann sonst noch in dieser Welt oder besser gesagt in diesem Film? Um es auf den Punkt zu bringen: Alles was man sich von einem Musical wünscht: Tränen, Glück, Sehnsucht, Swing, Impuls und das Ganze von innen beleuchtet durch die Lieder von Udo Jürgens.

Udo Jürgens selbst war ja während seines Lebens so elegant, fein und eingängig, dass man sich selten Mühe machte hinter die Fassade zu blicken. Bei schweren Stücken und Dramatik vermutet man oft tiefes Können und Bildung, aber bei leichter Musik denkt man schnell, dass es simpel ist. Das Gegenteil ist der Fall. Die Leichtigkeit muss stimmig sein, sonst wirkt sie plump. Die Texte müssen ab dem ersten Wort passend, stimmig und richtig getaktet sein. Der Takt ist auch bei der Darstellung gefragt. Die Abfolge und Reaktionen müssen auf die Zentel-Sekunde passend und abgestimmt sein. Der Spannungsbogen muss ohne Zwang durchgehend gespannt sein und bei der ganzen harten Arbeit muss es simpel aussehen.

Dieser Spagat gelingt in dieser Perfektion selten. Deshalb ist es umso schöner in „Ich war noch niemals in New York“ genau dies genießen zu können. Nach dem Film möchte man nicht mehr aussteigen aus dieser liebenswerten Welt. Man möchte mit diesem Cast weiter zusammenleben und das Leben genießen. Bei allem Kitsch und Pathos ist der Film aber nie schwülstig oder übertrieben. Es ist wie ein gelungenes Weihnachtsfest mit der Familie. Man nimmt die Erinnerung mit und der Alltag ist ein wenig glänzender.

Wie schwer diese Produktion war, sieht man auch an der sehr langen Vorlaufzeit. Über 5 Jahre dauerte es von der Idee bis zum Start der Produktion. Der Tod von Udo Jürgens war hierbei zuerst ein Dämpfer, aber dann ein umso größerer Motor. Die Produzenten hatten das Gefühl, dass sie es Udo Jürgens schuldig waren diesen Film umzusetzen. Mit dieser Verantwortung gingen Sie dann sorgsam um und erschufen dieses fantastische Werk. Auch die Feinheiten sind hier passend. So wurde bewusst ein deutsch/österreichisches Ensemble gewählt, da Udo Jürgens selbst ja Österreicher war, aber in Deutschland sehr große Erfolge gefeiert hatte. So dürfte wohl die wichtigste Kernaussage von „Ich war noch niemals in New York“ sein:  Danke Udo!

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